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Die Finnen kommmen aus Lapeenranta, Airport Weeze
  Foto: Gerhard Seybert
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Goch: Airport Weeze: Jetzt kommen die Russen

VON ANJA SETTNIK UND CHRISTINA RADEMACHER - zuletzt aktualisiert: 05.03.2010 - 13:04

Goch (RPO). Wer hat schon mal von Lappeenranta gehört? Vermutlich allenfalls Angler. Dabei ist die neue Ryanair-Verbindung nach Südfinnland eine tolle Sache. Das finden auch Fluggäste aus St. Petersburg, die am Donnerstag in Weeze landeten.

Gleich werden sie aus dem Flugzeug klettern, ihre Augen vor dem ungewohnten Sonnenlicht schützen, hilflos nach lesbaren Info-Schildern Ausschau halten und froh sein, den Airport-Shop mit seinem reichhaltigen hochprozentigen Angebot zu entdecken.

Die Finnen kommen – und wir sind sicher, sie schon recht gut zu kennen. Diese Nordländer kennen Tageslicht nur aus langen Mittsommernächten, sprechen eine Sprache, die nicht einmal die Ungarn verstehen, obwohl sie sich mit ihnen doch den finno-ugrischen Sprachraum teilen, und sind berüchtigt für ihre Trinkgewohnheiten. Finnen, die berühmt werden wollen, müssen Skilaufen oder Autorennen fahren. Was wollen die am Niederrhein?

Info

Daten

Lappeenranta 72000 Einwohner, Stadt in Südkarelien / Südostfinnland, nahe der russischen Grenze. Entfernungen 230 Kilometer bis St. Petersburg, 221 Kilometer bis Helsinki, etwa 2100 Kilometer bis Weeze.

Flüge zweimal wöchentlich, donnerstags und sonntags, Abflug 7 Uhr, Ankunft bei der Rückreise 13.05 Uhr. Flugzeit gut zweieinhalb Stunden.

Sieger der Pisa-Studie

Wenn Ryanair-Chef Michael O'Leary neue Ziele anbietet, will er damit Geld verdienen. Deshalb scheint klar: Das Flugzeug aus Lappeenranta wird nicht unbesetzt in Weeze einschweben. Wahrscheinlich haben die Passagiere während des Fluges gelesen, denn das ist ihre liebste Beschäftigung – neben dem Saunen, was im Flugzeug nicht möglich ist.

Deshalb sind sie Sieger der Pisa-Studie. Vielleicht aber auch, weil kleine und große Finnen einander grundsätzlich duzen. Die Sommermonate verbringen sie in der eigenen Hütte am See, hören schwermütige Sibelius-Weisen, schlagen Mücken tot und fischen. Da jeder zweite Finne pro Jahr eine Diät macht, essen sie zum Barsch wohl noch einiges dazu. Nicht mehr ganz so häufig wie früher bringen sie sich irgendwann um.

Jetzt sollen die Depressiven auftanken – Sonne statt Schnee genießen, fröhliche Menschen kennenlernen und einen Mietwagen über die Straßen steuern, ohne Rentier oder Elch zu überfahren. Mitteleuropäische Städte warten auf sie, in denen sie ihre Tracht gegen Mode des 21. Jahrhunderts austauschen und darüber staunen werden, dass, wer vom Niederrhein anderthalb Stunden in Richtung Osten fährt, nicht in St. Petersburg, sondern bloß in Paderborn landet.

20 Minuten vor der planmäßigen Ankunft sind sie schon da. Wenn sie's denn sind, die da die Ankunftshalle betreten. Junge Leute meist, in Jeans und kurzen Jäckchen. Einige tragen Fellschuhe, andere Pelzmützen. Die mit den putzigen Schuhe sind tatsächlich Finnen, erfahren wir, die anderen kommen aus Russland. Letztere haben sprachlich mehr Probleme als die Finnen.

Flughafensprecher Holger Terhorst versucht's mit Englisch, aber sie zucken nur mit den Schultern und stellen sich geduldig in die Schlange vor dem Mietwagen-Schalter. Irena, 59 Jahre alt, ist Computerfachfrau und kommt aus St. Petersburg. Die lebens- und reiselustige Frau spricht gut Englisch.

"Für weniger als 25 Euro bin ich mit dem Sammeltaxi nach Lappeenranta gefahren. Ich fliege von Weeze aus weiter nach Spanien. Eine Freundin hat mich zum Geburtstag eingeladen." Das nächste Mal will sie in Deutschland bleiben, bei Freunden in Hannover. "Wo ist hier der Bahnhof?", erkundigt sie sich schon mal.

Olli und seine vier Freunde, alle um die 20, wohnen in Mittelfinnland und sind auf dem Weg ins niederländische Enschede. Da wollen die Computer-Freaks an einer LAN-Party teilnehmen. Sie trinken übrigens Kaffee. Ob sie viele Bücher bei sich haben und gerne Ferien in einer urigen Hütte am See machen? Die Jungs sehen uns an, als fürchteten sie um unseren Verstand. Nach Gran Canaria wollen Andrej und Ksenia. Auch sie kommen aus St. Petersburg und haben gründlich Preise verglichen. Billiger als über Weeze geht es für sie nicht.

Quelle: RP

 
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