Uedem: Bauen wie eine Thermoskanne
VON NATALJA BRUCK - zuletzt aktualisiert: 20.05.2010Uedem (RPO). Die nächste Energiepreiserhöhung kann Johannes Ingenbleek und Alfred Janßen nicht mehr schrecken: Die beiden bauen mit ihren Familien Passivhäuser. Und wollen so auch langfristig Kosten sparen.
Sonnenhaus im Netz
Den Bau der "Sonnenhäuser", wie die Bauherren ihre Modelle nennen, dokumentiert Johannes Ingenbleek auf einer Internetseite. Unter www.sonnenhaus-uedem.de informiert er über Baufortschritte, Kosten, Verfahren und beteiligte Unternehmen.
Johannes Ingenbleek aus Uedem kennt sie: Die zahlreichen Vorurteile, die gegen Passivhäuser kursieren. "Einige Leute meinen, dass es ständig zu warm wird, andere haben Angst, dass sie Fenster und Türen nicht öffnen können", erklärt der Bauherr. Tatsächlich sind Passivhäuser immer noch eher ungewöhnlich. "Von außen werden sich unsere Häuser nicht von anderen Häusern unterscheiden", sagt Alfred Janßen. Er baut sein Passivhaus in Hasselt und hat sich mit seinem Freund Johannes Ingenbleek zu einer Bauherrengemeinschaft zusammengetan, um alles rund um den Bau gemeinsam zu planen und zu organisieren.
Dicke Dämmschicht
"Passivhäuser werden rundherum mit einer 28 Zentimeter dicken Dämmung versehen, das ist bedeutend mehr als bei anderen Neubauten. Das ist ein bisschen wie bei einer Thermoskanne", beschreibt Ingenbleek. Außerdem bekommen die Häuser eine Lüftungsanlage, die automatisch für ständig frische Luft im Haus sorgt. Für Pollenallergiker wie Johannes Ingenbleek kann in diese Anlage zudem ein Filter eingebaut werden, damit das Haus pollenfrei bleibt.
Unabhängig von Gas und Strom
Johannes Ingenbleek und Alfred Janßen gehen jedoch noch einen Schritt weiter. Auf ihren Häusern werden Solar- und Photovoltaikanlagen installiert. "Im Grunde werden unsere Häuser vollkommen autark sein, was Gas und Strom angeht", meint Janßen. Mit der Solaranlage wird in Zukunft der Warmwasserbedarf der Familien gedeckt, die Photovoltaikanlage sorgt für Elektrizität.
"Wir verwenden den erzeugten Strom zuerst für den Eigenbedarf, der Überschuss wird in das öffentliche Stromnetz verkauft", erklärt Ingenbleek das Konzept. Das mit Hilfe der Photovoltaikanlage erhitzte Wasser wird in einem Speicher aufbewahrt und versorgt auch die Fußbodenheizung. "Falls einmal über längere Zeit die Sonne nicht oder kaum scheint, haben wir noch elektrische Heizstäbe, die das Wasser erwärmen", erklärt Ingenbleek mit Blick auf das unbeständige Niederrheinwetter. Im Kalten sitzen müssen die zukünftigen Bewohner also auf keinen Fall.
Was die beiden Bauherren von der Idee Passivhaus überzeugt hat, ist vor allem die langfristige Kostenersparnis. "Wir haben ausgerechnet, dass unsere Häuser erst einmal je etwa 15 000 Euro mehr kosten, als wenn wir ganz konventionell bauen würden", meint Ingenbleek. Die günstigen Kredite zum Bau von Passivhäusern und die Fördergelder für Solar- und Photovoltaikanlagen fangen jedoch einen Teil des Mehraufwandes ab. Hinzu kommt die Ersparnis bei Gas- und Stromkosten. Für Johannes Ingenbleek ist es deshalb die wirtschaftlichste Art zu bauen.
Mit einigen Vorurteilen über Passivhäuser räumt er am Ende des Gesprächs mit der RP dann auch noch auf: "Man kann in Passivhäusern auch mal die Fenster öffnen – und wegen der speziellen Bauweise und Lüftung bleibt es in ihnen im Winter warm und im Sommer kühl."
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