Goch: Das bischöfliche Nein
VON THOMAS CLAASSEN - zuletzt aktualisiert: 10.12.2009 - 12:08Goch (RPO). Zwei "Ersuchen auf Rücknahme der Entscheidung" hat Bischof Felix Genn aus Goch bekommen. Tenor: Macht die Liebfrauenkirche wieder auf. Nun – die Antwort: Abgelehnt! Der Bischof schreibt, er wolle Ruhe in der Gemeinde.
Münster ließ sich lange Zeit mit der Reaktion auf die "Einsprüche" in Sachen Liebfrauenkirche, sprich, die Anträge, das Beschlossene zurück zu nehmen. Aber jetzt ist zumindest ein offizieller Bescheid eingetroffen. Abgelehnt! Das ist keine große Überraschung – aber das Resultat der Bemühungen schriftlich vor Augen zu haben, tut dann doch weh.
Bischof Dr. Felix Genn fügte noch die Belehrung über die Möglichkeit des Rechtswegs an – Klagen beim heiligen Stuhl. Und eine persönliche Bemerkung machte der Diözesanbischof auch. Im Sinne des "Friedens in der Gemeinde" und der pastoralen Arbeit rege er an, die Auseinandersetzung über die Schließung der Liebfrauenkirche nun "möglichst" zu beenden.
"Möglichst"
Nach "möglichst" sieht es zur Zeit allerdings nicht aus. Eddy Strebel und Hans Hofland prüfen gemeinsam mit anderen Gläubigen aus der Arnold-Janssen-Pfarre, wie sie mit dem abschlägigen Bescheid umgehen. Schließlich mussten sie lange warten auf das "Nein" aus Münster.
Zeit lassen konnte sich der Bischof auch. Es gibt, rein rechtlich, die Liebfrauenkirche ja gar nicht mehr. "Angeordnet wird eine solche Entwidmung durch ein Dekret des Diözesanbischofs, das im Allgemeinen in einem letzten Gottesdienst verlesen und damit wirksam wird.
Damit wird dann das Gotteshaus dauerhaft profanem Gebrauch überlassen" – so steht's unter "Kirche von A bis Z" auf den Internetseiten des Bistums, das dann auch noch allgemein gültiges Kirchenrecht zitiert: "So muss im Abschiedsgottesdienst – dem (nach Möglichkeit) der Ortsbischof vorstehen sollte – das Allerheiligste aus der Kirche getragen und das Ewige Licht gelöscht werden. Die Reliquien sind aus dem Altar zu entnehmen und alle liturgischen Geräte und Einrichtungsgegenstände (von Altar über Ambo, Tabernakel, Beichtstuhl etc.) müssen aus dem Gebäude entfernt und ,an einem würdigen Ort aufbewahrt' werden".
Beim Gottesdienst am 22. November haben die Gläubigen all das nicht erlebt. Aber dass die Kirche nun keine mehr ist, daran besteht auch bei den Kritikern kein Zweifel.
Doch jetzt aufgeben – das möchten viele Gocher weiterhin nicht. Nach RP-Informationen gibt es Überlegungen, regelmäßig Gebetsstunden vor den Toren des Gebäudes anzubieten.
Kirchenbänke für Petrusheim
Ausgeräumt wurde übrigens inzwischen doch schon was. Kirchenbänke aus Liebfrauen werden nun im Petrusheim in Weeze benutzt. Die Krippe steht nun in der Liebfrauen-Schule.
Unterdessen machen sich viele Gocher weiterhin Gedanken darüber, welches Angebot man dem Bistum machen könne – die von Generalvikar Kleyboldt genannten 22 000 Euro Betriebskosten jährlich aufzubringen, dürfte angesichts der erklärten Bereitschaft von Sponsoren kein großes Problem mehr sein. Und der bauliche Zustand der Kirche ist bekanntlich sehr gut.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum



