Goch: Das uralte Spiel von der Liebe
zuletzt aktualisiert: 24.10.2008Goch (RPO). „Es ist Unsinn, sagt die Vernunft; es ist unmöglich, sagt die Erfahrung; es ist, was es ist, sagt die Liebe.“ So hat der Dichter Erich Fried das Phänomen in zeitgenössische Worte gefasst. Tausende von Jahren älter sind die bilderreichen Worte aus dem Alten Testament, dem „Hohen Lied der Liebe“. Friederike von Krosigk, Gründerin und Leiterin des Ensembles Theatrum im Schloss Hohenerxleben in Sachsen-Anhalt, hat den alten Stoff genommen und daraus ein Stück geformt, das eigens für den Kirchenraum konzipiert wurde. Zu hören und zu sehen ist „Das Hohe Lied der Liebe“ am heutigen Freitag, 24. Oktober, 19 Uhr in der Gocher Liebfrauenkirche.
Eine Spezialität der vielseitigen Theatermacherin und ihres Ensembles, das sich bereits mit Versionen von Rilkes Marienleben oder einer eindringlichen Fassung von Lessings „Nathan der Weise“ einen Namen gemacht hat. Musik, Tanz, Theater gehen ineinander über und vermitteln eine höchst wirksame mystische Komponente. „Das Hohe Lied“ beginnt im Nirgendwo: Zwei Menschen, Mann und Frau, begegnen sich. Der Mann mit dem Aktenkoffer ist bewegt vom Geigenspiel der Vagabundin. Seine Reaktion wiederum trifft sie. Beide flüchten voreinander und sind doch magisch angezogen. Das uralte Spiel beginnt und ist von Anfang an mehr als ein Spiel.
Friederike von Krosigk hat der Liedsammlung aus dem Alten Testament Texte der Mystikerin Mechthild von Magdeburg, des persischen Mystikers Dschalal ad-Din ar-Rumi, des Dichters Rainer Maria Rilke und das Hohe Lied des Paulus zur Seite gestellt.
Eine besondere Rolle spielt die Musik. Die persischen, hebräischen und deutschen Kompositionen (u. a. von Johann Sebastian Bach) spiegeln die Hohe Lied-Texte, die ja Eingang in die Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam gefunden haben. Mit dem Klassikgitarristen Klaus Jäckle und dem iranischen Musiker Vahid Shahidifar präsentiert das Ensemble Theatrum zwei Virtuosen. Vahid Shahidifar hat für „Das Hohe Lied der Liebe“ persisch-deutsche Kompositionen entwickelt. Der Eintritt kostet 10 Euro. Nähere Informationen in der Liebfrauen-Gemeinde unter Tel. 02823 7126.
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