Goch: Der Angriff der Trillerpfeifen
VON JÜRGEN LOOSEN - zuletzt aktualisiert: 14.02.2010 - 16:34Goch (RPO). Ohrenbetäubender Rathaussturm bei Minustemperaturen in Goch: 5000 Narren feierten trotz Kälte die Eroberung des Schlüssels zur Macht durch die KCC-Tollitäten Christian I. Peters und Daniela I. Toenders.
Nur der dieselbetriebene rote London-Doppeldecker-Bus, mit dem die KCC-Tollitäten Christian I. Peters und Daniela I. Toenders stilecht-international vorfuhren, streikte kurzfristig bei den herrschenden Minustemperaturen und so erlebten geschätzt 5000 Untertanen einen ebenso verspäteten wie erfolgreichen Rathaussturm in Goch.
Die Uhr schlug 11.34 Uhr, als die grün-weißen Narrenherrscher in dem riesigen Gefährt vor der Bühne des Rathauses gefeiert wurden, nachdem die fast 2000-köpfige Helau-Armee, Verein für Verein in Empfang genommen und vorgestellt vom bestens aufgelegten Kür-Sitzungspräsidenten Mike Theissen, auf den Marktplatz gezogen war in einem vorweggenommenen "kleinen" Rosenmontagszug, der erstmals vom Festzelt auf dem Klosterplatz durch die Innenstadt geführt hatte.
Für die musikalische Hilfestellung bei den drei Angriffswellen auf das Gocher Rathaus sorgte Captain Willi Girmes. Bei seinem Gocher Prinzenlied sang das Volk mit, beim aktuellen Superhit Piratentanz schwangen nicht nur die zahllosen die Tanzmädchen perfekt die Beine und beim Gocher Heimatlied wollte Willi das Herz des Bürgermeisters erweichen. Apropos Karl-Heinz Otto: Für den Piratentanz setzte Girmes dem Ersten Bürger den Piratenhut auf und forderte ihn auf, die nötigen Tanzschritte auf die Bretter zu legen. Was er auch tat.
Aber die Eiseskälte hatte natürlich keine Chance gegen die Gocher Karnevalisten. "Der Chef ist immer noch der Bürgermeister", begrüßte Theissen das Tollitäten-Duo auf der Bühne, um sie gleich auf ihre Aufgabe einzuschwören, nachdem die Massen zuvor vom K 6 musikalisch auf das Spektakel eingestimmt worden waren.
Doch Bürgermeister Karl-Heinz Otto erteilte dem Begehren erst mal eine glatte Abfuhr: "Das glaubt doch wohl keiner, dass ich den Schlüssel einfach so kampflos abgebe". Woraufhin Christian I. drohte: "Wir Grünen versuchen es immer erst auf die freundschaftliche Art: Gib den Schlüssel heraus!" Darüber konnte Otto nur lachen. Die erste Angriffswelle rollte: Freunde aus "ganz Europa" zogen mit grünen Trillerpfeifen bewaffnet vor und auf die Bühne und statteten "die pfiffigen Politiker im Rat der Stadt" mit grünen Trillermützen aus, natürlich eine Anspielung auf das bekannte Fußball-Schiedsrichter-Hobby des Prinzen. Und selbst Bürgermeister-Enkel Marius bat seinen Opa um den Schlüssel, doch der konterte mit einer "Gegen-Bestechung", sprach von einer "dollen Nummer", ließ sich von dem ersten Pfeifkonzert aber wenig beeindrucken, "denn mit fünf Enkeln habe ich immer viel Theater an der Backe".
Attacke, Teil 2: Nun wurden Pfeifen ans Volk verteilt, aber der jetzt erklingende ohrenbetäubende Lärm konnte Otto nicht erschüttern. Auch wenn Theissen meinte "Er wackelt schon", war ein Großangriff nötig, diesmal unterstützt von einer grünen Super-Pfeife, die mitten vor der Bühne aufgebaut wurde. Minutenlang schrillten sämtliche Trillerpfeifen, Otto hatte genug: "Ich gebe mich nicht so richtig geschlagen, aber ich gebe auf!"
Um 12.18 Uhr war es schließlich soweit: Der silberne Riesen-Schlüssel wanderte von Otto zum Prinzenpaar, Christian I. rief unter dem Jubel der Narren "Wir haben ihn!" Vom Rathaus stiegen Aberhunderte von bunten Ballons gen grauen Himmel und als Adjutant Jack "der Knutscher" Krämer die Regierungserklärung für die drei tollen Tage verlesen hatte, konnte es losgehen. Abmarsch der Armada quer durch die Stadt zum Festzelt und wieder Party ohne Ende – darauf dreimal Goch Helau!
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