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Goch: Der braune Terror in Goch

VON THOMAS CLAASSEN - zuletzt aktualisiert: 23.02.2012

Goch (RP). Konzentrierte Zuhörer, bedrückte Stimmung: Gochs Senioren-Union und viele Gäste hörten im überfüllten Saal des Kolpinghauses Namen aus der Nazizeit in Goch. Stadtarchivar Koepp hatte viele weithin unbekannte Details parat.

Koepps Publikum: aufmerksame, bedrückte Zuschauer – mit vielen eigenen schlimmen Erinnerungen.  Foto:  gottfried Evers
Koepps Publikum: aufmerksame, bedrückte Zuschauer – mit vielen eigenen schlimmen Erinnerungen. Foto: gottfried Evers

Franz Schneider war Betriebsrat bei Jurgens und Prinzen. Und er war Kommunist. Seinen Einsatz bezahlte er mit dem Leben. Als Gochs Stadtarchivar Hans-Joachim Koepp vor mehr als 100 Zuhörern im Kolpinghaus die Geschichte erzählte, wurde es mucksmäuschenstill. Niedergeschlagen hätten ihn die Nazis, mit Gewehrkolben auf ihn eingeprügelt, ihm den Kopf zertrümmert, noch auf den Toten eingetreten. Nachher hieß es ganz offiziell, Schneider habe Selbstmord begangen.

Ja, "die Nazis" waren nicht nur anderswo. Sie wüteten auch in Goch. Und: Sie hatten Namen. Ernst Kulbars, Hans Haas. Ernst Salzmann. Ein ganz besonders übler brauner Zeitgenosse sei das gewesen, so Koepp. Namen und Gesichter von Tätern und Opfern.

Info

Das Buch

"Kelten, Kirche und Kartoffelpüree" – so heißen alle Bände der Gocher Stadtchronik, die Hans-Joachim Koepp geschrieben hat. Chronologisch geordnet, leicht lesbar, mit vielen Bildern. Band vier, der sich unter anderem mit der Nazizeit befasst, ist weiter im örtlichen Buchhandel vorrätig.

"Goch in der Nazizeit" – keine leichte Kost, die die Senioren-Union um Wolfgang Pitz ausgerechnet rund um die "tollen Tage" servierte. Ein Wagnis? Nein, so voll war's im Saal des Kolpinghauses, dass "angebaut" werden musste. Kein Thema wie jedes andere – und Hans-Joachim Koepp bereitete es packend auf.

Der sprichwörtliche Boden – er war nicht bereitet für die braune Brut. In Goch hatte das katholische "Zentrum" die absolute Mehrheit. Die ersten Nazi-Funktionäre kamen von außen. Trotz der hohen Arbeitslosigkeit, trotz der billigen und dummen Sprüche, die es ja auch heute wieder gibt – die Gocher waren nicht so leicht zu knacken, die Begeisterung schwer entflammbar.

Konzentriert: Foto: G. Evers

Es gab Widerstand, von den Gewerkschaften, von katholischen Verbänden wie der KAB. Besonders mutig waren da wohl die Familien Claeßen und Kowal. Nach der "Machtergreifung" aber hätten die Nazis auch in Goch ihre Machtmittel brutal eingesetzt. Ihre Parolen konnten gar nicht dumm genug sein. Sie stünden, warben sie, "für Freiheit und Brot".

Wobei Letzteres dann wieder nur für die Arbeitsfähigen, Ausnutzbaren galt. Alte, Kranke, Behinderte – sie kriegten nichts. Und wurden im Rahmen des späteren "Euthanasieprogramms" skrupellos ermordet. Totgespritzt, vergast. Begeisterung für Hitler? Ja, es gab sie, auch in Goch, sie war organisiert und in manchen Fällen sicher echt. So waren Gocher mal "persönlich" zu Gast beim Führer auf dem Obersalzberg. Die gleichgeschaltete Gocher Zeitung berichtete davon.

Gleichschaltung – die funktionierte perfekt. Besagte Heimatzeitung, von der Familie Völcker herausgegeben, konnte nur noch mit Genehmigung erscheinen – gleichgeschaltet eben. Mitmachen oder untergehen. Fackelzüge und Aufmärsche, fotografiert in Goch. Nicht anderswo. Bilder, die Gruseln machen, noch heute. Schlaglichter. Und die große Klammer: Koepp stellte dar, analysierte, glasklar, emotionslos. Noch heute fällt das Begreifen schwer. Und Emotionen, die weckte er zahlreich. Nachdenklich, bedrückt waren die Besucher hinterher. Nein, das darf nie mehr passieren. . .

Quelle: RP/rl


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