Goch: Der praktische Schöngeist
VON THOMAS CLAASSEN - zuletzt aktualisiert: 14.12.2007Goch (RPO). Wieso taucht Goch beim Grimme-Institut auf, bei der Kanu-WM in Duisburg, beim Deutschen Jugendherbergswerk Post AG? Weil NOAH! vom Sandthof aus Märkte erobert. Erfolg für Stephan A. Vogelskamp, den Wahl-Gocher.
Er sagt es nicht – aber jeder weiß es: Die Klever hätten seine Firma gern gehabt. Die Wuppertaler hätten sie gern behalten. Schorsch van den Höövel aber hat ihn geholt, vom Ballungsraum in die Provinz. Und jetzt? „Jetzt wundern sich – aber nur anfänglich! – unsere Partner, dass wir in Goch sitzen“, sagt Stephan Vogelskamp. „Wir“ – das ist das Team der Marketing & PR-Agentur NOAH!, die mehr machen will als eben nur Öffentlichkeitsarbeit fürs Verkaufen. Und das funktioniert. Gerade erst hat die Agentur für Kleve beim Wettbewerb „Ab in die Mitte – die City-Offensive NRW“ wieder einen Erfolg verbucht (RP berichtete gestern).
Überzeugungsarbeit
Der Ruhebringer
NOAH! – Gesellschafter Stephan A. Vogelskamp und Georg van den Höövel. Rüdiger Wenzel (kom.M) holte Vogelskamp nach Goch.
Der Name NOAH! leitet sich aus dem Hebräischen ab und bedeutet: der Ruhebringer.
Seit diesem Jahr ist die Agentur Marketing Department der Herman van Veen-Studios für den deutschsprachigen Raum. Personelle, inhaltliche und räumliche Verbindung mit allsport. Bald gibt es auch Repräsentanz in Rotterdam.
Das Grimme-Institut, nach Erfahrungen mit einer „ganz normalen“ PR-Agentur erst mal skeptisch geworden, ließ sich von den Gochern ebenfalls überzeugen: Ihr könnt für uns die Öffentlichkeitsarbeit machen, die wir brauchen. Anderes Beispiel: Zum 100-jährigen Bestehen brauchte das Deutsche Jugendherbergswerk jemanden, der „Spagat“ kann: einerseits die Traditionalisten in eigenen und Besucher-Reihen nicht verschrecken, andererseits zeigen, dass man nicht „von gestern“ ist. Mit knackigen Werbesprüchen war’s da nicht getan. NOAH! bekam den Zuschlag.
Und dass sich Herman van Veen nicht nur (und das schon vor langer Zeit) mit Stephan A. Vogelskamp angefreundet hat, sondern gern mit NOAH! zusammenarbeitet, spricht für sich. Van Veen, der Schöngeist, und Stephan A. Vogelskamp, der Schöngeist. Mit Antennen, die beim Quer- und Weiterdenken helfen, statt „Mainstream“ zu machen, kritiklos. Da passt es, dass Vogelskamp so gar nicht dem Bild vom durchgestylten Designerklamottenträger mit Sportwagen und branchenüblichem Protz-Gehabe entspricht. Er braucht es einfach nicht. Brauchte es nicht, schon damals, als er seine Pläne aufgegeben hatte, Berufsmusiker zu werden. Vogelskamp studierte stattdessen Wirtschaft, war erster Marketingmann überhaupt bei der Stadt Wuppertal und ging dann zur Rinke- Gruppe, in deren Auftrag er bald „Starlight“ in Bochum sanierte.
Lehrauftrag
Ein Praktiker, ein Wissenschaftler: Vogelskamp nimmt sich nach wie vor Zeit für seinen Lehrauftrag an der Uni Wuppertal, für Publikationen zu Kultur- und Stadtentwicklung. Für Bücher wie „Das süße Leben – Der neue Blick auf das Alter und die Chancen schrumpfender Städte“. Und er gab voriges Jahr Herman van Veens aktuelles Buch „Nimm hin mein Lied“ heraus. Der „GOSCAR“ war’s, der holte NOAH! an den Niederrhein. Stephan A. Vogelskamp: „Ich habe damals gestaunt über die Visionsfähigkeit einer 30 000-Einwohner-Stadt, auf dem Markt eine Filmgala zu machen, die Anspruch hatte. Und: Ich finde die Landschaft schön, mag es, dass hier alles schon halb niederländisch ist. Und dann war natürlich die Planung des Kwak-Hauses in Kessel ein Auslöser!“
Das wiederum schließlich unter den Fittichen Herman van Veens, des Mannes, „bei dem ich früher mal Bassist werden wollte“, sagt Vogelskamp.
Nun – das wurde nichts. Ist auch gut so . . .
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