Goch: Deutsch verleiht Flügel
VON LESLIE BROOK - zuletzt aktualisiert: 05.05.2009Goch (RPO). Sie müssen es nicht, wollen es aber: Deutsch lernen, damit sie sich an Bord von Ryanair besser verständigen können. Sarah, Luis und Aurora aus Spanien leben seit acht Monaten in Goch und besuchen regelmäßig den Lern- und Förderkreis an der Steinstraße.
Mit ihren Büchern unter dem Arm steht Aurora aus Malaga zusammen mit Luis und Sarah aus Madrid vor dem Eingang zur Sprachenschule, dem Lern- und Förderkreis, in Goch.
Die Spanier fallen auf: Die jungen Frauen tragen blaue Kostüme, Luis einen Anzug mit Krawatte. Und das ist nicht etwa die neue Gocher Schuluniform, das ist ihre Arbeitskleidung. Manchmal, wenn die Flugbegleiter gerade von einem Arbeitstag nach Hause kommen, gehen sie direkt in ihren Ryanair-Outfits zum Deutschkursus bei Joachim Grondstein.
Sie kamen nach Goch und sprachen kein Wort Deutsch. Das ist jetzt – acht Monate später – ganz anders. Aurora weiß nun, wie man Passagieren die Getränkeauswahl auf Deutsch präsentiert. Sarah versteht, wenn ein Fluggast ihr ein Problem schildert. Und Luis scherzt gerne mal mit einem Taxifahrer – natürlich auf Deutsch. "Sie lernen schnell", sagt Joachim Grondstein. Obwohl es die Grammatik in sich hat, stöhnt Sarah, die vor ihrer Zeit als Stewardess beim spanischen Fernsehen gearbeitet hat.
Das Trio trifft sich zwei- bis dreimal pro Woche in der Sprachenschule zum Unterricht. "Uns ist es wichtig, die Sprache des Landes zu sprechen, in dem wir leben", sagt Luis, der solch schwierige Dinge auf Englisch erklärt.
Der Großteil der Ryanair-Passagiere sei deutsch, da habe es Vorteile, sich selbst auch in dieser Sprache verständigen zu können, ist der 27-Jährige überzeugt. "Bisher musste ich immer andere Passagiere um Dolmetscherhilfe bitten." Aber das hat nun ein Ende – neben Englisch, Französisch, Spanisch und Italienisch wird auch der deutsche Wortschatz der drei Spanier stetig größer. In ihrer WG direkt am Marktplatz in Goch üben sie gemeinsam die neuen Vokabeln ein und pauken Grammatik.
Immer mehr ausländische Mitarbeiter von Gocher Firmen lassen sich in der deutschen Sprache unterrichten. "Bis vor kurzem kam zum Beispiel eine Neuseeländerin zum Deutsch lernen zu mir. Es gibt immer mehr Firmen, die ihre internationalen Mitarbeiter schulen lassen", sagt Grondstein. Die drei Spanier haben sich privat für den Sprachkursus angemeldet, "aber Ryanair sieht es gerne, wenn die Mitarbeiter viele Sprachen sprechen und auch Deutsch beherrschen", meint die 22-jährige Aurora. "Es kommt uns später zu Gute", ergänzt Kollegin Sarah (27). Für Aurora steht fest, dass sie noch mindestens zwei Jahre in Goch bleiben will. Ihr gefällt's hier. "Die Leute sind nett und lustig, und ich fühle mich wohl." Sarah und Luis würden gerne nach Italien wechseln, "öfter mal was Neues sehen". "Italienisch ist dem Spanischen halt doch näher", sagt Sarah und lacht.
Gerade die "Sch"-Laute machen der spanischen Zunge zu schaffen. Auch das "V" sei nicht einfach. So wird bei der Leseprobe zwischen "Frau Schnell" alias Aurora und "Frau Mainka" alias Sarah aus "Verheiratet" – "Wer heiratet?". Mit einem Wort haben die Spanier aber keine Probleme, das flutscht bei allen Dreien: "Goch – that's easy".
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