Goch: Die Verletzten der DLRG Goch
VON KATRIN REINDERS - zuletzt aktualisiert: 04.01.2012Goch (RP). Täuschend echt sieht es aus, wenn die DLRG Goch bei Übungen Verletzte darstellt. Die Mitglieder der RUND-Gruppe blicken auf erfolgreiche und spannende Einsätze der Mimen zurück.
Wenn Tina Görtz von klaffenden Wunden spricht, bleibt sie ganz locker. Meistens hat sie sich nämlich selbst ausgedacht, wie diese wirken sollen: Realistische Unfall- und Notfalldarstellungen, kurz RUND genannt, hat sich die Untergruppe der Gocher DLRG auf die Fahnen geschrieben – und sorgt für verblüffend echte Szenarien. Erste-Hilfe-Kurse mit Echtheitscharakter, Unfallszenen als Probelauf für Rettungskräfte oder Schuss- und Stichverletzungen auf dem Airportgelände – die RUND-Mimen sind immer mittendrin.
Das noch recht junge Segment der DLRG, Ortsgruppe Goch, besteht seit 2005. Weil den Aktiven die Folien und Fotos in den Erste-Hilfe- Kursen irgendwann nicht ausreichten, kam die Idee einer realistischen Darstellung von Opfern und Verletzungen auf. "Die Mimen waren weit besser als jede Folie und wurden zum Selbstläufer", erzählt Tina Görtz rückblickend. Neben einer RUND-Gruppe in Issum gibt es kreisweit keine vergleichbare Institution, die sich das professionelle Mimen von Unfallopfern zur Aufgabe gemacht hat.
Kontakt
Mehr Informationen zur RUND-Gruppe gibt es auf der neuen Internetseite der Gocher Ortsgruppe der DLRG: www.dlrg-goch.de. Interessierte sind jederzeit herzlich willkommen und können Kontakt zu Tina Görtz aufnehmen: rund@dlrg-goch.de.
Mit Fensterkitt aus dem Baumarkt oder Dracula-Schminke ging's los, sämtliche Hautausschläge waren damals inklusive. "Dann wurde es immer professioneller", sagt die Gruppenleiterin, die heute auf eine etwa 20-köpfige Truppe blicken kann. Dabei sind von ganz jungen Mitgliedern, die lediglich an kleinen Übungen teilnehmen, bis zu Rentnern alle Altersklassen vertreten.
Während 2010 noch 22 Veranstaltungen den Kalender der "Schauspieler" füllten, waren es 2011 bereits 35. Um die entstehenden Kosten bewältigen zu können, nimmt die RUND-Gruppe im Rahmen ihrer Katastrophenübungen Geld ein. Unter anderem dabei sind Übungen mit den Rettungskräften von I.S.A.R, BOTC (Airport Weeze), Notärzten und Rettungsteams verschiedener Art.
Das Geheimnis einer sehr gut gemimten Opferrolle? "Die Übung", sagt Manfred Görtz, der seit 1979 für die DLRG aktiv ist. Denn wer erst in die Rolle der Verletzten reingewachsen ist, Bewegungen, Laute und Mimik abrufen und zeigen kann, ist richtig gut – auch in scheinbar ernsthaften Katastrophenfällen.
Einer von ihnen ist Jens Janßen. Er ist als Mimenbeobachter in die RUND-Gruppe hinein gerutscht und weiß: "Man fängt mit kleinen Schnittwunden an und endet als Amokläufer." Eine seiner härtesten Rollen war die, nach einem gespielten Busunglück mit totem Kind auf dem Arm in einen Schockzustand zu verfallen. Das ist dann aber wirklich etwas für Profis.
Wer kann mitmachen? Eigentlich jeder. Allerdings sollte ein Grundkurs bei der DLRG absolviert worden sein, "eine Einheit nach dem Erste-Hilfe-Kurs", schildert Tina Görtz. Einen Vorteil für das eigene Helfer-Verhalten sehen die Aktiven darin, dass man sich intensiv mit den Symptomen verschiedener Erkrankungen auseinandersetzt und weiß, wie mit Verletzten umgegangen wird.
"Aus jeder Übung nehmen die Mimen etwas mit", meint Manfred Görtz. Bestenfalls ist das Ergebnis im Ernstfall so, dass nicht nur die Rettungskräfte einen kühlen Kopf bewahren, "sondern auch wir so cool an die Sache heran gehen, dass wir adäquat Hilfe leisten können", so Tina Götz.
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