Uedem: Diebstahl live im Internet
VON MICHAEL BAERS - zuletzt aktualisiert: 20.01.2009Uedem (RPO). In Uedem wurde am Wochenende ein Lkw samt Auflieger gestohlen. Moderne Technik sorgte dafür, dass man seinen Standort jederzeit nachvollziehen konnte. Unklar bleibt, warum die Diebe 12 Tonnen Kaffee stehlen wollten.
Es ist schon ungewöhnlich, wenn man auf einer Europakarte im Internet genau verfolgen kann, wo sich das, was einem gestohlen wurde, aktuell befindet. Erlebt hat diese virtuelle Verfolgungsjagd der Disponent der Transportfirma Terlinden Klaus Gerritzma. Als er am vergangenen Samstag auf das Firmengelände fuhr, fand er dort, wo eigentlich ein kompletter Sattelzug stehen sollte, lediglich eine aufgebrochene Zugmaschine vor (RP berichtete).
Sofort ging er in sein Büro und entdeckte den Lkw – im Internet. Da sämtliche Fahrzeuge der Firma mit einer Black-Box ausgestattet sind, ließ sich der Standort, per GPS minütlich aktualisiert, sofort abrufen. Für die Polizei entfiel damit eine aufwändige Suche, und das Diebesgut tauchte eine halbe Stunde, nachdem es vermisst worden war, wieder auf.
Richtung Holland
In der Nacht zuvor hatten sich die Täter offensichtlich Zugang zum Firmengelände verschafft und einigen Aufwand betrieben, um mit jenem Auflieger zu verschwinden, der gut 12 Tonnen Kaffee geladen hatte. Die Zugmaschine, an der der Auflieger ursprünglich angekoppelt war, ließ sich nicht kurzschließen und so brachen die Diebe kurzerhand einen zweiten Lkw auf und zogen damit den ersten vom Auflieger weg. Mit dem so entstandenen neuen Gespann verließen sie das Gelände und fuhren auf der Autobahn zunächst Richtung Moers und anschließend nach Holland.
Letzteres lässt sich aufgrund der GPS-Daten im Detail rekonstruieren. Darüber hinaus erfährt man, dass das Gespann zwei Stunden lang auf einem Hof im Bereich der Gemeinde Boksenberg/Someren abgestellt wurde (wie sich herausstellte zum Entladen, denn dort fand man die 66 Paletten Kaffee). Anschließend wurde der Lkw noch knapp 50 Kilometer bewegt und dann schließlich auf einem Autobahnparkplatz in den Niederlanden, kurz vor der belgischen Grenze, abgestellt.
Wem die Lagerhalle gehört und wer für den Diebstahl verantwortlich ist, ist derzeit noch ungeklärt, denn von den Tätern fehlt bislang jede Spur. Klar ist allerdings, dass die Zündung des Fahrzeugs zum letzten Mal am Samstag um 8.02 Uhr betätigt und der Lkw seitdem nicht mehr bewegt wurde. Der Kaffee wurde gefunden, und übrig bleibt nur die Frage nach dem Motiv für den Kaffeediebstahl. Sieht man also von den Reparaturkosten und den beiden Fahrzeugen ab, die nun für einige Tage ausfallen, ging die Geschichte dank der Technik letztlich doch noch relativ glimpflich aus. Und so kann sich Gerritzma im Nachhinein schon wieder augenzwinkernd darüber ärgern, dass die Diebe zunächst über deutsche Autobahnen fuhren, denn, so der Disponent, "jetzt müssen wir dafür auch noch Mautgebühren zahlen".
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