Goch: Draisinen-Spaß jetzt offiziell
VON PETER JANSSEN - zuletzt aktualisiert: 28.04.2008Goch (RPO). Gestern wurde am ehemaligen Bahnhof in Kranenburg offiziell die Draisinen-Strecke Kleve-Kranenburg-Groesbeek eingeweiht. Der Riesenandrang machte deutlich, dass das Projekt von der Bevölkerung bestens angenommen wird.
kleve-kranenburg-groesbeek Seit 34 Jahren ist Franz Günter Aengenheyster (76) Pastor in Kranenburg. So ziemlich alles, was seitdem in der Gemeinde aufgebaut oder eröffnet wurde, hat durch ihn den Segen Gottes bekommen. Aber eine Draisinen-Strecke war auch für den Geistlichen eine Premiere. „Nicht alles, was durch mich eingeweiht wurde, wurde zwangsläufig ein Erfolg“, weist Aengenheyster dezent darauf hin, dass etwa auch das Hallenbad der Gemeinde einst von ihm feierlich den Segen erhielt. Doch war gestern kein Tag für Bedenkenträger. Gestern wurde gefeiert. Und wenn der Hinweis stimmt, dass Erfolg oder Misserfolg von Aktionen durch die Abstimmung mit den Füßen erfolgt, so kann das Projekt Grenzland-Draisine nur einen positiven Weg nehmen. Hunderte Gäste waren gekommen, um bei der Eröffnung am ehemaligen Kranenburger Bahnhof dabei zu sein. Denn ab jetzt ist der Spaß offiziell.
Brauer einer der Ersten
Kleves Bürgermeister Theo Brauer war einer der Ersten auf der Strecke. In 75 Minuten hatte er seine Schienen-Kutsche von Kleve nach Kranenburg befördert. „Schalke hat gestern gewonnen, das hat mir zusätzlich Kraft gegeben“, sagte Brauer. Neben ihm muss Manfred Palmen gesessen haben. Der parlamentarische Staatssekretär hatte die niederrheinische Landschaft genießen können, ohne sich zu verausgaben: „Die Stadt ist Dienstleister. Also mussten die treten. Die Fahrt hat Spaß gemacht und wieder gezeigt, wie schön es hier bei uns ist. Ich bin vom Erfolg dieses Projekts überzeugt, denn sonst hätte es auch nicht so viel Geld dafür gegeben.“
Brauer war aus Kleve angereist, Groesbeeks Bürgermeister Gert Prick aus seiner Heimat. Nur Kranenburgs Günter Steins durfte gestern nicht fahren. Dafür hielt Steins die Festansprache, in der er kaum einen Personenkreis ausließ, die zum Gelingen des Projekts beigetragen hatte. „Wir haben uns teilweise samstags und sonntags getroffen, um dieses Vorhaben zu realisieren. Da hat niemand auf die Uhr geschaut“, blickt Steins auf die vergangenen zehn Monate zurück. Theo Brauer machte es kurz, schmerzlos, pathetisch und haute einen raus: „Lasst uns den Tag genießen, wo die Welt zu Gast in Kleve ist.“ Der Tag war wie gemalt für eine Eröffnung.
Aktivisten
Selbst eine Delegation von Aktivisten aus Nimwegen, die für die Wiederaufnahme der Bahnverbindung demonstrierte, war gestern milde gestimmt. Mit Parolen wie „Zieht den Niers-Express durch nach Nimwegen“ kämpfen sie für eine Zugverbindung und nicht für den Spaß auf Schienen. Doch selbst sie waren gestern von sonnigem Gemüt: „Immerhin ein erster Schritt. Besser so, als wenn gar nichts passiert und die Schienen verrosten.“
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