Goch: Es krabbelt im Wald-Schlafsack
VON JENS HELMUS - zuletzt aktualisiert: 31.03.2008Goch (RPO). Zehn Familien gingen am Sonntag auf Entdeckungsreise im Reichswald. Jörg van Eyckels, Natur- und WIldnispädagoge von der Naturschule Goch, lehrte den Drei- bis Sechsjährigen, wie man sich lautlos bewegt.
goch-asperden Wer ein Reh oder einen Hirsch im Wald beobachten will, der muss ganz leise sein. Ein lautes Geräusch reicht und das Tier ergreift verschreckt die Flucht. Um nicht gehört zu werden, muss man sich behutsam heranpirschen - am besten barfuß: Dazu stellt man sich auf ein Bein, streckt das andere nach vorne und setzt es ganz langsam und sachte auf dem Waldboden ab. Wenn das geschafft ist, hebt man das hintere Bein und wiederholt den Vorgang. Sobald der Vierbeiner sich umschaut, darf man sich nicht mehr bewegen und muss im wahrsten Sinne des Wortes erstarren, bis sich der Blick des Tieres wieder abwendet.
Gleichgewicht gefragt
Wie schwer es eigentlich ist, auf einem Bein zu stehen ohne dabei das Gleichgewicht zu verlieren, haben am Sonntag zehn Familien im Reichswald erfahren. Sie haben am „Familien-Waldtag“ der KulTOURbühne und der Naturschule Goch teilgenommen und den Wald - der ja praktisch vor der Haustüre liegt - einmal genauer kennengelernt. „Unser Ziel ist es, Menschen jeden Alters vom Sofa zu holen und ihnen die Natur näher zu bringen“, sagt Jörg van Eyckels von der Naturschule Goch. Der Natur- und Wildnispädagoge führte gestern Drei- bis Sechsjährige zusammen mit ihren Eltern und Großeltern durch den Reichswald in Asperden und erklärte ihnen allerhand Wissenswertes über die Natur. Zum Beispiel, dass man Baumrinden nie vom Fundort entfernen sollte, weil in der Rinde oft viele Lebewesen wohnen. Wenn man die Baumrinde nämlich mit nach Hause nimmt - und ist sie noch so schön - entfernt man die darin lebenden Tierchen aus ihrer gewohnten Umgebung.
Viele Fortbewegungsarten
Neben einer Einführung in verschiedene Fortbewegungsarten und Möglichkeiten der Naturbeobachtung hatte Jörg van Eyckels noch eine besondere Überraschung parat. „Das Laubbad“, auch „Wald-Schlafsack“ genannt, ließ die Kinder den Wald aus einer ungewohnten Perspektive kennenlernen: von unten nämlich. Wer wollte, konnte sich von oben bis unten in Laub einbetten lassen. Eine interessante Erfahrung, merkt man doch im „Wald-Schlafsack“, dass es fast überall krabbelt und in jedem Zentimeter Wald viel Leben steckt. Auf dem Waldboden hat man außerdem die Gelegenheit, den Himmel und die Baumkronen genau zu beobachten und auch dort jede Menge Bewegung zu entdecken.
Das feuchte Wetter störte am Sonntagnachmittag übrigens niemanden - im Gegenteil: „Gerade bei Regen passiert im Wald sehr viel“, so Eyckels.
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