Goch: Geschichten von Pommes Fritz
VON MICHAEL BAERS - zuletzt aktualisiert: 27.10.2008Goch (RPO). Im Gocher Kastell fand im Rahmen des Brauchtums- und Mundartfestivals 2008 ein ganztägiges Kartoffelfestival statt. Viele Aktionen und Informationen rund um das Grundnahrungsmittel lockten unzählige Besucher an.
Eine Stunde vor? Eine zurück? Sommerzeit? Winterzeit? Im Gocher Kastell war das am vergangenen Sonntag vollkommen egal, denn dort herrschte eindeutig Kartoffelzeit. Im Rahmen des Brauchtums- und Mundartfestivals 2008 fand dort eine ganztägige Informationsveranstaltung mit hohem Unterhaltungswert über den Erdapfel statt.
In Uniform und mit Dreispitz
„Vom alten Fritz, dem Preußenkönig, weiß man zwar viel, doch viel zu wenig. So ist es zum Beispiel nicht bekannt, dass er die Bratkartoffel erfand! Drum heißen sie auch - das ist kein Witz - Pommes Fritz!“ Mit diesem Gedicht von Heinz Erhardt begrüßte seine Majestät Friedrich II., König von Preußen, alias Robert „Röb“ Miesen standesgemäß in gold geknöpfter Uniform inklusive Dreispitz die zahlreichen Besucher und kam so direkt mit ihnen ins Gespräch.
Wussten sie schon?
Die Kartoffel spielte eine entscheidende Rolle bei der Geburt der Farbfotografie. Für das Lumiére-Verfahren benötigte man einfärbbare Stärkekörnchen und kam auf die Kartoffel.
Englische Kartoffelbauern demonstrierten 2005 gegen den Begriff „couch potato“, da er die Kartoffel diskreditiere. Vergeblich.
Im Hintergrund erfüllte ein originales Berliner Strassengrammophon von 1905, die liebevoll mit verschiedenen Kartoffelsorten und Exponaten zu deren Verarbeitung dekorierten Räumlichkeiten des Kastells, unter anderem mit ’Preußens Gloria’.
In stimmungsvoller Atmosphäre erklärte ’König Pommes Fritz’ dann die Geschichte, wie er die Kartoffel für die Bevölkerung Europas entdeckte. „Zunächst wussten die Menschen nicht, dass man die Kartoffel kochen muss und fingen sich reihenweise Vergiftungen ein“, klärte Miesen auf. Daher habe der König auf seinen Reisen ab 1740 demonstrativ Kartoffeln gegessen und so Land und Leute überzeugt.
Seine Majestät vergnügte aber nicht nur durch seine Erzählungen, sondern bastelte mit den Kindern Kartoffelmännchen, während sich die älteren Besucher interessiert den ausgestellten Traktoren (John Deere Baujahr 1930) oder Häufelpflügen (um 1920) widmeten.
Zum Auftreten des Königs, der tollen Gestaltung und der Musik aus alten Zeiten gesellten sich zusätzlich noch verlockende Gerüche. Neben Kartoffelkuchen, Kartoffelbrötchen oder Kartoffelbrot für die Zwischenmahlzeit oder Zuhause, gab es auch ein Mittagessen. „Ärpelsupp met geröst Brot“ oder „Ärpelschloat met Krakause Worst“ standen da unter anderem auf der Speisekarte.
Bei einem Wettbewerb konnten die Besucher ihr Geschick im Kartoffelschälen unter Beweis stellen. Die Preise dafür stellte der Gocher Kartoffelverarbeiter Nähr-Engel, der ebenfalls mit einem Infostand vertreten war, zur Verfügung. Die Stadtbücherei übte mit Kindern den Kartoffeldruck und überall konnte man Wissenswertes über die Geschichte und die Bedeutung der Kartoffel finden.
Die große Resonanz würdigte das Engagement der Aktiven und das Kartoffelfestival wurde ein voller Erfolg.
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