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Goch: Gewalt richtig begegnen

VON VIVIAN KLEIN - zuletzt aktualisiert: 12.12.2007

Goch (RPO). Viele Schulen bemühen sich, Projekte zur Gewaltprävention zu realisieren. Wie jüngst Lehrer vom Berufskolleg des Kreises, die für Ihr Angebot „Stark im Konflikt“ Experten aus Düsseldorf in die Gocher Außenstelle einluden.

Mit einer Aufführung des Düsseldorfer Steimel-Menschner-Theaterprojekts begann gestern im Berufskolleg der Projekttag gegen Gewalt.  Foto: RPO
Mit einer Aufführung des Düsseldorfer Steimel-Menschner-Theaterprojekts begann gestern im Berufskolleg der Projekttag gegen Gewalt. Foto: RPO

Es ist eigentlich gleich, an welche Schule oder in welchen anderen Bereich des menschlichen Zusammenlebens man schaut – Gewalt ist allgegenwärtig. „In jeder Klasse haben wir jemanden mit Mobbing-Erfahrung“, weiß etwa Margarete Ahmadzei, Lehrerin und Beauftragte für Gewaltverhinderung am Berufskolleg. So wie viele Schulen hat auch sie daher Gewaltpräventionsarbeit stark in den Fokus gerückt. „Wir hoffen, dass wir auch weiterhin Gelder dafür vom Kreis bekommen werden“, sagte die Lehrerin gestern, als sich im Projekt „Stark im Konflikt“ wieder einmal zeigte, dass die meisten Schüler Gewalt kennen – aber nur wenige richtig mit ihr umzugehen wissen.

Info

Mit Theaterstück

Der Projekttag begann mit einem Theaterstück, dass rund 140 Schüler des Berufskollegs besuchten.

Anschließend wurde das Thema in zwei anderthalbstündigen Workshops praktisch vertieft. Daran konnte aus Kostengründen allerdings nur rund die Hälfte der Unterstufe teilnehmen.

Neutral antworten

Am Berufskolleg in Goch war Theaterpädagoge Ronnie Wellnitz vom Düsseldorfer Steimel-Menschner-Theaterprojekt zu Gast. „Ihr müsst neutral bleiben und dem Gegner den Wind aus den Segeln nehmen“, erklärte er den Schülern zwischen 16 und 22 Jahren. Er stellte zwei Schüler gegenüber, ließ den einen als „Täter“ sagen: „Du bist eine Schlampe.“ Das Opfer sollte ganz neutral antworten „Wenn du meinst.“ Mit festem Blick direkt in die Augen des Gegenübers, damit man nicht ängstlich wirkt; ohne mit den Händen zu fuchteln oder laut zu werden, damit man nicht aggressiv wirkt und so weiter provoziert. „Wir üben das praktisch, damit die Schüler sich selber erleben und in einem geschützen Rahmen ausprobieren können“, erläuterte Wellnitz. „Die Älteren hier kommen meist gut damit klar, doch jüngere Schüler kommen oft nur schwer aus ihren eingeübten Rollen heraus, stehen ängstlich da oder geben sich provokant.“ Wellnitz weiß aus vielen Gesprächen mit Tätern und Opfern, dass das oft schon ausreicht, dass eine Situation eskaliert. „In einem Fall wurde ein Junge geschubst, der schubste zurück und hatte plötzlich einen Schraubenzieher in der Schulter stecken.“

Sicheres Auftreten also – aber in manchen Situationen sollte man sich wiederum erst gar nicht auf ein Gespräch einlassen. Etwa wenn ein Unbekannter einen im Park anhalten will, womöglich, um Geld oder Handy „abzuziehen“. Wellnitz: „Zügig weitergehen.“ Oder wenn man im Zugabteil sitzt und von einer größeren Gruppe bedrängt wird. „Ruhig bleiben, plötzlich ganz laut „Laßt mich in Ruhe“ rufen. Die Schrecksekunde lähmt die Täter, so dass ich Zeit bekomme, abzuhauen“, rät Wellnitz hier. Das habe sogar mit gestandenen Kerlen bei einem Workshop im Gefängnis funktioniert.

Situationen wiedererkannt

Den Schülern gefiel der Workshop. „Ich habe einige Situationen wiedergefunden, die ich selbst erlebt habe und wo ich Angst hatte“, hat Meike Leygraaf (18) festgestellt. „Ich hätte in vielen Situationen falsch reagiert“, weiß nun auch Marius Peters (16). Fazit: Mehr Projekte dieser Art, bitte!

Quelle: RP

 
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