Goch: Gipfelstürmer mit Höhenangst
VON HENNING KUYPERS - zuletzt aktualisiert: 01.07.2008Goch (RPO). Aus der Traum vom Europameister-Titel: Die Deutsche Fußball-Nationalmannschaft musste sich im EM-Finale gegen bärenstarke Spanier mit 0:1 geschlagen geben und wurde dabei phasenweise von den iberischen Toreros am Nasenring durch die Manege gezogen. Wie sehr erhoffte sich Deutschland den ersten Triumph seit 1996, wie groß war nach dem zerplatzten Traum die Trauer. Doch man muss zugeben: Europa hat mit Spanien würdige Fußball-Könige gefunden.
Im Kreis Kleve war am Sonntagabend einmal mehr die Hölle los. Die Klever Strandbar war mit 1200 Fans rappelvoll, in Goch platzte das „Parkstadion“ mit mehr als 10 000 Menschen aus allen Nähten. „Die ersten Fans waren schon um 15 Uhr hier. So was habe ich noch nie erlebt“, konnte es allsport-Mitarbeiter Thomas Ziwes aus sicherer Entfernung nicht fassen. Um 19 Uhr wurden die Eingänge dann geschlossen – ausverkauft. Wer es dann tatsächlich vor die Leinwand schaffte, erlebte Final-Stimmung der Extraklasse. So tanzten die Fans bei den „stimmlichen Aufwärmübungen“ auf den Tischen, stießen mit Gerstensaft auf ein hoffentlich spannendes Endspiel an oder schickten Stoßgebete gen Himmel. Riesige Pokale aus Alufolie zeigten: Deutschland ist heiß auf den Titel!
Die Kicker auf dem Rasen in Wien vermittelten diesen Eindruck in der ersten Viertelstunde auch noch, ließen sich dann aber den Schneid abkaufen. Spanien bekam Oberwasser und stieß mit dem Tor durch Fernando Torres einen Dolch ins deutsche Fußball-Herz. Im Park wurde es totenstill. Anfeuerungsrufe wurden von Minute zu Minute zaghafter. Auch die in der Halbzeit gespielten Gassenhauer wurden nur noch mit angezogener Handbremse gegrölt. Schnell wurde klar: Heute kann nur ein Wunder helfen. Da die Löw-Truppe die Leidenschaft im Bein vermissen ließ oder einfach nicht stark genug für die Offensiv-Asse aus Spanien war, blieb dieses aus. Tränen kullerten hier und da herab, Worte und Umarmungen spendeten Trost. Kurz vor dem Gipfel suchte die Höhenangst die DFB-Bergsteiger heim.
Auf dem Siedepunkt
Auch wenn der zweiten Auflage des Sommermärchens das Happy End fehlte, so konnten die Veranstalter ein durchweg positives Fazit ziehen. „Parkstadion“ und Strandbar waren bei nahezu jeder EM-Partie prächtig gefüllt. Ausnahme bildete das regnerische Kroatien-Spiel. Gerade bei den packenden K.o.-Spielen war die Stimmung auf dem Siedepunkt. Die Fans tauchten die Viewing-Bereiche in ein schwarz-rot-goldenes Meer, verwandelten auch die Straßen in Party-Zonen. Emotionen, für die in diesem Ausmaß wohl nur der Fußball sorgen kann. Georg van den Höövel als Inhaber der Agentur allsport schloss mit folgenden Worten ab: „Ihr ward ein tolles Publikum.“ Dem ist nichts hinzuzufügen. Bis 2010…
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