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Goch: Gochs ganz dunkle Seiten

VON THOMAS CLAASSEN - zuletzt aktualisiert: 17.11.2009 - 11:18

Goch (RPO). "Kelten, Kirche und Kartoffelpüree", Band Nummer vier: Gochs Stadtarchivar Hans-Joachim Koepp legte gestern ein neues, spannendes, reich bebildertes Stück Goch vor. Kernpunkt: die Nazi-Zeit.

Heimatverein-Chef Willi Vaegs, Stadtarchivar Hans-Joachim Koepp und Sparkassen-Direktor Gerd Blombach (v.l.) mit den ersten Exemplaren von Kelten, Kirche und Kartoffelpüree.  Foto: Gottfried Evers
Heimatverein-Chef Willi Vaegs, Stadtarchivar Hans-Joachim Koepp und Sparkassen-Direktor Gerd Blombach (v.l.) mit den ersten Exemplaren von Kelten, Kirche und Kartoffelpüree. Foto: Gottfried Evers

Ja, gab er zu, er habe selbst daran zu knacken gehabt an all dem, was er da gefunden, verarbeitet, aufgearbeitet, bebildert, zusammengetragen habe im großen Helfer-Team. Ja, Goch war nicht mehr, aber eben auch nicht weniger "braun" als andere Städte. Und ganz schnell gleichgeschaltet. Die Nazi-Organisationsmaschine hatte 1933 auch diese kleine Stadt am Niederrhein ganz fix umgekrempelt. Bilder, die beklemmen, Fotos, die scharf und brillant zeigen, wie sie aufmarschierten auf dem Markt und der Mühlenstraße, die braunen Kolonnen. Bilder, die zeigen, wie es war, als der Krieg , den Deutschland in die Welt getragen hatte, zurückkam ins "tausendjährige Reich".

"Ganz anders" erzählt

Koepps neuer, unter der Regie des Verkehrs- und Heimatvereins erschienener und von der Verbandssparkasse Goch kräftig gesponserter neuer Band der "ganz anders" erzählten Gocher Stadtgeschichte zeigt nicht nur Geschichte, er zeigt auch Gesichter. Die waren es also, damals, die die Macht ergriffen hatten in der Stadt. Die waren es also, die man zusammenpferchte und auf die letzte Reise in die Gaskammern schickte. Passfotos später vergaster Juden, Originale von den "Kennkarten", wie das damals hieß, sind im Buch genau so zu sehen wie Mitläufer und Aufbegehrende – Letztere vor allem unter dem noch ein wenig schützenden Dach der Kirche. Ein Beispiel für viele: die Fronleichnamsprozession vor der Liebfrauenkirche, die gerade gebaut worden war.

Koepp erzählt die Geschichte des Zweiten Weltkrieges so, wie er in den voran gegangenen (noch erhältlichen) Bänden erzählt hat: ohne Gewichtung, leicht verständlich, in chronologischer Reihenfolge. Das ist nicht Geschichte für Hochgelehrte, das ist erzähltes Heimat für jeden, der auch nur einen Funken interesse an seiner Stadt hat.

Das Ende als Anfang

Dieser Band endet mit dem Ende – des Krieges nämlich. Dem Ende, das ein Anfang war. Da sieht man (die Diskussion, ob sie tatsächlich was geleistet haben, ist frisch) Trümmerfrauen bei der Arbeit, Menschen, die in den Überresten zerbombter Häuser nach ein paar Lebensmitteln suchen. Der Band IV, der mit der Zeit der Weimarer Republik 1919 beginnt, ist deutlich dicker als die voran gegangenen. Das liege, so Koepp gestern, auch daran, dass nach dem Aufruf in der RP im vergangenen Jahr so viele Gocher Privatfotos zur Verfügung gestellt hatten. Wer anfängt, zu blättern im neuen Buch, der liest (und guckt) sich sofort fest. Die Erkenntnis: Unheil kann schnell kommen – ganz schnell...

Quelle: RP

 
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