Goch: Großfamilie im Klostergarten
VON ANJA SETTNIK - zuletzt aktualisiert: 12.01.2009Goch (RPO). Im Beisein von Finanzminister Helmut Linssen, der Pate des Projekts ist, wurde in Kevelaer der erfolgreiche Start des Caritas-Projekts „Mehrgenerationenhaus“ in Kevelaer gefeiert. 130 Menschen leben bereits im Quartier.
kevelaer Für eine Einweihung wäre es noch zu früh, aber eine Auftaktveranstaltung durfte schon sein: Gestern wurde das Projekt Mehrgenerationenhaus am Klostergarten Kevelaer einem großen Kreis Eingeladener vorgestellt. Als Pate und Redner konnte NRW-Finanzminister Helmut Linssen gewonnen werden, der das neue Wohnquartier als wegweisend und vorbildlich bezeichnete. Weihbischof Heinrich Janssen zelebrierte nicht nur die Messe in der Klosterkapelle, sondern gehörte auch ganz persönlich als Bewohner der Anlage dazu.
Niemand überflüssig
Linssen erinnerte daran, dass es früher selbstverständlich war, wenn Kinder, Eltern und Großeltern unter einem Dach wohnten. Jeder hatte im Familienverbund seine Aufgabe, keiner war überflüssig. Heute jedoch lebten die Generationen räumlich oft weit voneinander getrennt. Frauen bekämen, wenn überhaupt, ihre Kinder spät, viele gründeten wegen finanzieller Bedenken überhaupt keine Familie. Deshalb stehe inzwischen die Alterspyramide auf dem Kopf – für den Minister eine besonders schmerzhafte Tatsache. „Jahrzehntelang stand zudem die Individualität hoch im Kurs. Inzwischen erinnern sich aber immer mehr Bürger daran, dass der Mensch zwar ein Individuum, immer aber auch ein soziales Wesen ist.“ Und deshalb steige das Interesse an Angeboten wie dem der Caritas.
Das Angebot
Das Mehrgenerationenhaus Kevelaer ist eines von deutschlandweit 500 Projekten, die zum Aktionsprogramm des Bundesfamilienministeriums gehören. Verschiedene Wohnformen gehören dazu:barrierefreie Wohnungen verschiedener Größen, Altenheim, Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz.
Ein geradezu flammendes Plädoyer fürs Mehrgenerationenwohnen hielt Elisabeth Münter. Zwar müsse sie ihre Wohnung noch immer ohne Schuhe betreten, weil die Baustellen rundum viel Schmutz verursachten, aber dafür habe sich schnell eine gute Gemeinschaft gebildet.
Die Fördertöpfe
Die Bewohner setzten sich zu Gesellschaftsspielen und Handarbeiten zusammen, erledigten füreinander Besorgungen, Ältere passten, wenn gewünscht, schon mal auf die Kinder auf und bastelten mit ihnen. „Keine zehn Pferde kriegen uns hier mehr raus“, versicherte die rüstige Seniorin unter dem Applaus vieler Mitbewohner.
Bürgermeister Axel Stibi betonte, dass das Projekt bestens zu Kevelaer passe und erinnerte an die langwierige Planungsphase. Hermann Hengstermann, Vorstand des Caritasverbandes, ließ sich gerne dafür necken, dass die Caritas ein besonderes Talent für das Aufspüren von Fördertöpfen habe. Anders hätte sich der Klostergarten kaum realisieren lassen, betonte er.
Denn der Wohnraum müsse für die Bewohner – etwa allein Erziehende oder alte Menschen – bezahlbar sein. Bundesfamilienministerium und Stiftung Wohlfahrtspflege unterstützen den Klostergarten.
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