Goch: Hebammen mit eigener Praxis
VON ANJA SETTNIK - zuletzt aktualisiert: 23.09.2008Goch (RPO). Wenn es am Marienhospital auch keine Entbindungsstation mehr gibt – die Hebammen arbeiten privat und mit dem Gocher Wilhelm-Anton-Hospital weiter. Sie betreiben eine Praxis in der Ladestraße am Bahnhof.
Als bekannt wurde, dass die geburtshilfliche Abteilung am Kevelaerer Marienhospital aufgegeben werden würde, hieß es für die Beleghebammen des Krankenhauses, innerhalb kürzester Zeit neue Räumlichkeiten für ihre Dienste zu finden.
Nach einer Übergangszeit, in der sie ein Wartezimmer einer gynäkologischen Praxis nutzen durften, wurden Räume in der Ladestraße gefunden. Neben dem Baumarkt Vos sind seitdem Wilma Leenen und Marina van Holt-Kreutzenbeck mit ihrer Hebammenpraxis ansässig. Gerade weil das Kevelaerer Krankenhaus für Schwangere und Gebärende nicht mehr zuständig ist, sind die Dienste der Fachfrauen besonders wertvoll, weiß Wilma Leenen.
Anlaufstelle vor Ort
„Den Frauen ist es ganz wichtig, eine Anlaufstelle vor Ort zu haben. Selbst diejenigen, die vor der Entbindung vielleicht lieber Kurse in der Geburtsklinik belegen, kommen später gerne zu uns. Oft wird wegen des fehlenden zweiten Einkommens ein Auto abgeschafft, und da sind die Frauen froh, wenn sie nicht fahren müssen.“
Neben diesem rein praktischen Argument zähle sicherlich auch der Umstand, dass schwangere Frauen oder solche mit Säuglingen gerne Kontakte zu anderen (werdenden) Müttern knüpfen. „Da ist es schön, wenn man innerhalb einer Stadt wohnt.“ Die beiden Frauen zählen heute zur Fünfergruppe der Beleghebammen am Gocher Wilhelm-Anton-Hospital. An 365 Tagen im Jahr ist eine von ihnen in Bereitschaft.
Das Aufgabenspektrum der Hebammen wächst – obwohl die allermeisten Frauen im Krankenhaus entbinden. „Aber während die Geburt an einem Tag stattfindet, dauert die Schwangerschaft neun Monate und die Still- und Babyzeit noch einmal so lange. Da kann es so viele Fragen geben, Probleme und Konflikte mit Partner oder Familie – und wir sind diejenigen, die da angesprochen werden.“
Viele kämen erst zum Geburtsvorbereitungskursus, andere nutzten das gesamte Hilfe-Spektrum. In Zeiten zunehmender sozialer Probleme oder bei Teenie-Schwangerschaften würden speziell ausgebildete Familienhebammen immer wichtiger, die auch einen intensiven Kontakt mit Jugendämtern und Beratungsstellen pflegten.
„Wir Hebammen sehen uns bei unseren Hausbesuchen auch das Zuhause des Säuglings an. Wir werden anders als oftmals Behördenvertreter nicht als bedrohlich empfunden, informieren über Ernährung, Kinderpflege, Stillen, Familienplanung. Wenn uns Missstände auffallen, müssen wir sie dem Jugendamt melden. Wir haben bessere Chancen, Vernachlässigung zu erkennen, als die Kinderärzte, die ja kaum mal in den Haushalt der Eltern kommen und sich aus einem kurzen Praxisbesuch ein Bild machen müssen.“
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