Goch: Helal produziert nun in Goch
VON THOMAS CLAASSEN - zuletzt aktualisiert: 23.09.2011Goch (RP). helal – in den Benelux-Staaten seit Jahrzehnten ein klingender Name in Sachen Döner & Co., hat sich in Goch niedergelassen. Große Investitionen, große Ziele: der europäische Markt nämlich. Im Dezember geht's los.
Zum Start wird Abdurranman Akbulut die Gocher einladen, zu einem sieben Meter langen Lahmacun. Einer türkischen Spezialität, die nur Laien mit Pizza verwechseln. Viel, viel dünner der Teig, dafür deutlich mehr Belag und eine fein abgestimmte Würzung. Die ist Familiengeheimnis, streng gehütet. Und sie ist es, die einen Teil des Erfolges ausmacht, auf den Abdurranman Akbulut zu Recht stolz sein kann. 1970 kam der Gründer der Firma helal nach Utrecht. Zunächst als Gastarbeiter, einer von vielen. Doch er machte sich bald selbstständig im Fleischerhandwerk. 1987 die weitreichende Entscheidung: Er eröffnete einen kleinen Imbissladen, bot Döner an und frische Backwaren. Mit dem, was er als Dönerspieß hätte liefern lassen können, war Akbulut aber nicht zufrieden. Also: selbst produzieren, besser.
Geheimrezept
Für den Großhandel und zunehmend auch für den Supermarkt produziert helal ab Dezember in Goch unter anderem große Dönerspieße in mehreren Geschmacksrichtungen, alle zubereitet mit der eigenen Marinade, deren Würzung streng gehütetes Familiengeheimnis ist. Die aufwändige Prouktionsstraße wird aber vor allem für die Herstellung von Lahmacun gebaut: hauchdünnem Fladenbrot aus Hefeteig, das vor dem Backen mit gewürztem Hackfleisch, Zwiebeln und Tomaten bestrichen wird. Lahmacun ist ein traditioneller Imbiss, der meist direkt heiß aus dem Backofen gegessen wird.
Damit legte er den Grundstein des Unternehmens, dessen Produkte schon längst nicht mehr nur Niederländer, sondern im ganzen Benelux-Raum überzeugen, dazu in Frankreich. Als besondere Ehre und besonderen Erfolg wertet Akbulut es, dass inzwischen schon Anfragen potenzieller Kunden aus dem arabischen Raum kommen.
Expansion also. Was fehlte, war der geeignete Betrieb. Gut ein Jahr ist es her, da erfuhr Gochs Wirtschaftsförderer Rüdiger Wenzel davon, dass die Familie Akbulut eine geeignete Produktionsstätte sucht. Wenzel signalisierte sofort: "Da hab ich was!" Die alte Hähnchenschlachterei Hendricks an der Borsigstraße nämlich. 14 Jahre hatte die stillgelegen, war marode. Akbuluts überlegten, kalkulierten, verhandelten. Und griffen zu.
An die drei Millionen Euro wurden bereits in das jetzt nur noch von außen angejahrte Gebäude investiert. Die Familie holte den Gütersloher Objekt- und Maschinenplaner Mustafa Cig mit ins Boot. "Planung kann man wörtlich nehmen", berichtete er gestern. "Die Maschinen, die wir bekommen, haben italienische Hersteller in Zusammenarbeit mit uns erst entwickelt, ausschließlich für den Standort Goch."
Produktionsstraße
Und diese Entwicklung war aufwendig. Eine viele Meter lange Produktionsstraße mit Backöfen und Fleisch-Verarbeitungsmaschinen wird in die komplett sanierten, großen Hallen eingebaut. Von der Fleischanlieferung bis zum Fertigprodukt alles minutiös durchgeplant, mit, wie die Bauherren betonen, höchsten Hygiene-Standards. Und damit alles "halal" ist, also nicht nur lecker, sondern auch "erlaubt", dem Islam entsprechend, wird auch so produziert. Eine Voraussetzung: Das Fleisch wird nicht entbeint angeliefert, sondern erst im Betrieb zerlegt.
40 Arbeitsplätze bietet die Familie Akbulut vom Start weg. Zwei besonders wichtige sind noch unbesetzt. So sucht helal dringend nach einem Fleischer- und einem Bäckermeister, die die Produktion mit aufbauen und eigenverantwortlich leiten.
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