Goch: Klever gedenken der Opfer vom 9. November
VON KATHARINA SCHMÜLLING - zuletzt aktualisiert: 10.11.2009Goch (RPO). Eigentlich war Montag ein Freudentag. 20 Jahre Mauerfall – die Deutschen sind wieder vereint. Die Stadt Kleve und die "Nachbarn ohne Grenzen/Buren zonder grenzen" hatten an diesem Tag aber auch das schreckliche Ereignis, das mit dem historischen Datumverbunden ist, nicht vergessen: Der 9. November erinnert schließlich auch an die Reichspogromnacht von 1938.
Bürgermeister Theo Brauer sprach von "dem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte". Damals hatten in Deutschland die Synagogen gebrannt." Hitlers Schergen zertrümmerten die Schaufenster jüdischer Geschäfte und demolierten jüdische Wohnungen.
Auch in Kleve. Immerhin mehr als 50 Männer und Frauen der jüdischen Gemeinde haben den Holocaust nicht überlebt. "Diese Verbrechen trafen Menschen, die bis dahin unbescholten hier gelebt hatten", erinnerte gestern der Bürgermeister."Das war der Beginn einer Massenverfolgung schrecklichen Ausmaßes."Brauer erinnerte an dem historischen Ort, dem Synagogenplatz an der Reitbahn, auf dem früher die Klever Juden in ihrer Synagoge gebetet haben, an die Verantwortung aller bis heute. Vor kurzem erst habe es eine "beschämende Schändung" des Synagogenplatzes und unter anderem am Gebäude des Gesundheitsamtes an der Nassauerallee mit nationalsozialistischen Symbolen gegeben. "Was geht in den Köpfen dieser Menschen vor ?" fragte Theo Brauer.
Viele Menschen waren gekommen, um an dem stillen Gedenken teilzunehmen. Alle Stühle waren besetzt, viele bekamen nur noch einen Stehplatz. Und es war nicht nur die ältere Generation, die sich zur Gedenkstunde traf, viele hatten Kinder und Enkelkinder mitgebracht. Besonderen Beifall bekamen dann auch die Jungen: Schüler der Realschule Hoffmannallee zeigten unter der Leitung von Marco Rumler eine Pantomime mit dem Titel "Gefolgschaft und Gegenwehr". Eindrucksvoll hatten sie sich damit auseinandergesetzt, wann es bequemer ist, einem "starken, mächtigen Mann" zu folgen und wann der einzelne eingreifen sollte, "auch wenn ihm selbst Gefahr droht".
Jasmin Helbig und Natalie Kuhr sind zwei dieser Schüler. Und sie haben mit Überzeugung bei der freiwilligen Veranstaltung mitgemacht. "Es ist einfach schlimm, was damals passiert ist, viele leiden noch heute darunter", sagt die 17-jährige Jasmin. Wie auch ihre 15-jährige Schulkollegin Natalie hat sie sich fest vorgenommen, einzuschreiten, wenn sie sieht, dass jemand beleidigt oder diskriminiert wird. "Ich will diese Leute unterstützen und für sie da sein", sagt sie.
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