Goch: Kunden sind verunsichert
VON STEFAN GILSBACH - zuletzt aktualisiert: 22.01.2009Goch (RPO). Theoretisch gibt es seit 2008 mehr Wettbewerb im Schornsteinfeger-Gewerbe. Allerdings gelten für Emmissionsmessungen weiter die gewohnten Kehrbezirke – eine Tatsache, die zu Missverständnissen führt.
goch / Kevelaer / UEDEM Die neuen gesetzlichen Regelungen für das Schornsteinfeger-Gewerbe sorgen auch im Kreis Kleve bei vielen Bürgern für Verunsicherung. Seit dem vergangenen Jahr herrscht mehr Wettbewerb in diesem Handwerkszweig. Die staatlich festgelegten Kehrbezirke gelten demnach nicht mehr und auch qualifizierte EU-Anbieter können vom Kunden in Anspruch genommen werden.
Warten auf die Liste
Was auf dem Papier steht, ist in der Realität allerdings noch nicht umsetzbar, erklärt Bezirksschornsteinfeger Georg Binn. "Wir warten noch auf eine vom Gesetzgeber angekündigte Liste, in der alle qualifizierten Betriebe verzeichnet sind", sagt der Gocher. Und so lange die Kunden nicht wüssten, unter welchen Anbietern sie auswählen können, bleibe es in der täglichen Arbeit faktisch beim Alten.
Erfahrungen
Die Neuregelungen im Schornsteinfeger-Gewerbe werden auf Druck der EU forciert.
Fürsprecher erwarten mit mehr Wettbewerb auch sinkende Preise. Gegner verweisen auf Erfahrungen in der Schweiz und Frankreich, wo die Preise anstiegen.
Irritiert von den Übergangsregelungen zeigte sich beispielsweise Dirk Mulder aus Kevelaer. Als in der vergangenen Woche der Mitarbeiter eines Schornsteinfeger-Unternehmens bei ihm klingelte, sprach Mulder das Thema Wettbewerb und EU-Konkurrenz an. "Ich sagte ihm, dass ich erwägen würde, einen Anbieter aus dem Ausland zu nehmen", erzählte er der RP. Mulder war überrascht und ein wenig misstrauisch, als ihm der Fachmann versicherte, das sei nicht möglich, das Schornsteinfegerprivileg gelte weiter.
Der Mitarbeiter war jedoch völlig im Recht, wie sich nach RP-Nachfrage bei dem zuständigen Schornsteinfegerbetrieb Arnold in Uedem herausstellte. "Es ging nämlich dabei um die Emissionsmessung, nicht um das Fegen", erklärt Geschäftsführer Heinz-Gerd Arnold. In diesem Punkt sind weiterhin die angestammten Schornsteinfeger die richtigen Ansprechpartner. Beim Fegen gilt tatsächlich schon Wettbewerb – aber eben nur in der Theorie.
Allerdings soll auch bei den Messungen der Emissionen eine Neuregelung mit mehr Wettbewerbsmöglichkeiten eingeführt werden. Das werde allerdings frühestens ab dem Jahr 2013 Gesetz sein, erläutert Georg Binn.
Bis dahin gelten bei den Emissionensmessungen also die gewohnten Regelungen. An diese Regeln sollten sich die Bürger übrigens halten, wenn sie keine Schwierigkeiten bekommen wollen. Wer dem Schornsteinfeger nämlich die Tür weist, muss im schlimmsten Fall damit rechnen, dass ihm die zuständige Kreisbehörde aufs Dach steigt.
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