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Goch: Lied aus Goch zum Mauerfall

VON THOMAS CLAASSEN - zuletzt aktualisiert: 02.11.2009

Goch (RPO). Angelika Martin – Gocherin mit Geburstort Görlitz. Die Sängerin hat jetzt, zwei Jahrzehnte nach dem Mauerfall, in einem Song die Erinnerungen an "damals", an die Flucht und die Angst verarbeitet.

Arbeit im Tonstudio: Angelika Martin feilt zur Zeit an ihrer neuen CD, die in Kürze erscheinen wird. Vorab gibt es nun eine Single mit zwei Titeln, in denen die Wahl-Gocherin ihre Erfahrungen auf und nach der FLucht aus der DDR verarbeitete.  Foto: RPO
Arbeit im Tonstudio: Angelika Martin feilt zur Zeit an ihrer neuen CD, die in Kürze erscheinen wird. Vorab gibt es nun eine Single mit zwei Titeln, in denen die Wahl-Gocherin ihre Erfahrungen auf und nach der FLucht aus der DDR verarbeitete. Foto: RPO

Ja, dass der Song, obwohl er – eigentlich – so zurückhaltend ist, unter die Haut geht, das hat Angelika Martin schon oft gehört, obwohl er gerade erst "fertig" ist, produziert, eingespielt, abgemischt daheim in Goch. "89" , sagt sie, erzähle schließlich "ein gewaltiges Stück meines Lebens". Und wenn Angelika Martin von "gewaltig" spricht, dann meint sie das auch so. Zurückhaltend und bedachtsam, wie sie ist, nimmt sie solche Worte nicht so leicht in den Mund. Aber seit "damals" hat sie diesen Songtext immer mit sich getragen, erst später fest entschlossen, ein Lied daraus zu machen. Aus ihrer eigenen Lebensgeschichte.

Info

Ab heute

Erscheinungstermin der Single (zwei Titel) vorab zur neuen CD ist der heutige Montag, 2. November. Reinhören kann man im Internet auf der Web-Seite der Gocherin. Unter www.angelika-martin.de gibt es im Internet auch Bestellmöglichkeiten.

Görlitz-Goch

Die Sängerin, deren Zuhause längst Goch ist, hat eine andere Heimat: Görlitz. Wenn sie jetzt die immer wiederkehrenden Bilder von der Grenzöffnung, von der faktischen deutsch-deutschen Vereinigung vor 20 Jahren sieht, dann spürt sie noch heute, wie "tot" sie damals war, innerlich.

Als die Grenze noch existierte, noch Todesstreifen war und Angst machte, da floh Angelika Martin gemeinsam mit Freunden über Umwege in den Westen. Im Trabi, mit ein paar Flaschen Wasser ein paar Brötchen und sonst nichts. Tagelang waren sie unterwegs, ausgehungert – aber den Hunger, den spürten sie nicht. "Wir hatten ja kein Geld außer ein paar Ostmark, kaufen können hätten wir uns sowieso nichts!" Hier und da kriegten sie etwas, in Österreich schon, längst in der Freiheit. Aber die Gefühle – die hinkten hinterher.

Angelika Martin war längst (körperlich) im Westen angekommen. "Ich arbeitete in Osnabrück in einer Gaststätte im Service, als die Nachricht von der Grenzöffnung sie erreichte. "Ich habe es zur Kenntnis genommen, gesagt, ja klar, aber begriffen habe ich es nicht, und freuen konnte ich mich auch nicht."

Freuen – das konnte sie sich lange nicht. Was ihr letztlich half, es zu verstehen, war das, was sie von Kind auf tut: Texte und Gedichte schreiben, die zum Tagebuch wurden. "Jetzt bin ich so weit, jetzt möchte ich meine Geschichten erzählen, die mein Tagebuch lange bewahrte", sagt Angelika Martin.

"89" gehört dazu, aber auch der erste Titel ihrer neuen Single-CD, "Der Himmel weint". Ein – ja was denn? Schlager? Lied? Ein Song über das, was sie sich auch in schweren Zeiten, wenn's ganz dicke kam, erhalten konnte: die Hoffnung. Nicht nur die eingefleischten Fans bescheinigen ihr: Das geht ans Herz.

Die neue CD

Und genau da, sagt Angelika Martin, wolle sie auch hin. Das soll Programm sein für die neue CD, an der sie im Gocher Tonstudio von Joan-Ivonne Bake arbeitet: In der "Hitgarage" an der van-Acken-Straße wird sie zur Zeit produziert. Ein Verlag in Halle wird die CD auf den markt bringen. In Halle an der Saale. So, auch so schließt sich wieder ein Kreis.

Quelle: RP

 
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