Goch: Mit Prinzenpaar nach Afrika
VON THOMAS CLAASSEN - zuletzt aktualisiert: 16.02.2010Goch (RPO). Ein Zug der Superlative – und ein Wetter für die Geschichtsbücher des RZK: Weit mehr als 50.000 Menschen ließen sich beim Rosenmontagszug in Goch die gute Stimmung nicht verderben. Arbeitstitel: Sind die Füße noch so kalt – die Gocher Gecken feiern halt.
Jahrzehnte hat er auf dem Buckel, dem sprichwörtlichen. Willi Arians ist ein alter Hase als Zugleiter des großen Spektakels in Goch. "Aber so was habe ich tatsächlich noch nie erlebt! Ich bin heute Morgen mit meinem Sohn die Mühlenstraße abgegangen und habe die Zugnummern frei gefegt." Denn die waren, wie alles andere auch, schlicht und einfach zugeschneit. Weiße Zahlen auf dem Bürgersteig der Mühlenstraße unter weißem Schnee: Da wäre ohne "Hausmeistertätigkeit" gar nichts gegangen in Sachen Zug-Aufstellung.
Aber die Gocher vom Festkomitee sind sturmerprobt. Weg mit dem Schnee – her mit den Wagen, den Fußgruppen, den zehn Musikkapellen! Zuvor hatten noch die Mannen vom Kommunalbetrieb dafür gesorgt, dass der Zugweg schneefrei war – und dann strömten sie auch schon in die Stadt, die vielen Gecken aus der ganzen Region, um den größten, buntesten und sicher auch fröhlichsten Rosenmontagszug weit und breit zu sehen.
Zug in Zahlen
57. Gocher Rosenmontagszug: 54 Vereine, Gruppen und Musikkapellen waren diesmal dabei, davon sieben aus Deutschland und 17 von den befreundeten niederländischen Karnevalsvereinen.
38 Wagen, 33 Fußgruppen, 22 Tanzgarden und zehn Kapellen machten mit. Zuglänge: etwa anderthalb Kilometer.
Der lebt, immer wieder, zu einem großen Teil von den vielen, phantasievoll kostümierten Fußgruppen. Egal, ob Schlümpfe, Ölscheichs oder Mexikaner, ob Chinesen, Bauern oder Wesen von einem anderen Stern: Wer dickfellig ist, hat mehr vom Leben – und weniger Erkältung. Beneidet wurden die, deren Kostüme so richtig lecker warm nach Nicky- und Fleece-Stoff aussahen. Tipp: Besonders gut zu wärmen scheinen Känguru- und Hasengewänder.
Pünktlich setzte sich der wunderbar gemischte Zug in Bewegung, pünktlich schunkelten sich die Narren an den Rändern der Innenstadt-Straßen warm. Live-Musik gab es dafür ja genug: Sage und schreibe zehn Musikkapellen marschierten mit im Gocher Rosenmontagszug. Und zwischendurch kamen dann noch Noten aus der Konserve. Jenseits der Düsenjäger-Startlautstärke übrigens gerne von niederländischen Karnevalsfreunden und ihren Riesen-Wagen. Interessant: Auch im Nachbarland ist "Bauer sucht Frau" ein Thema. Allerdings wird das "sucht" da durch "betuppt" ersetzt.
Wirtschaftskrise, Fußball-WM und lokale Kapriolen als Themen auf den liebevoll gestalteten Wagen: So nahm die 1. GGK beispielsweise die Pleite von Tirsan und die Massive-Schließung aufs Korn. Die dicken "Schwellköpp" auf dem Wagen beklagten: Die Politiker, die scheren sich nicht drum. Tanz- und Reitergarde, AKV, Pumpengemeinschaften, die Viktoria, die Inter-Braustube, die IPK, Flott-Weg und Alemannia aus Pfalzdorf, die Landjugend aus Hassum und die Jugend aus Kessel, sie alle feierten mit ihren aufwändig gebauten Wagen den Karneval und das KCC-Prinzenpaar. Etwa so: "Bunt wie die Welt im Karneval – der KCC feiert international!" Prinzenpaar, Prinzenwagen und KCC-Begleitung, viele Köpfe stark: Höhepunkt des Zuges.
Internet Weitere Bilder vom Zug unter www.rp-online.de/goch
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