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Goch: Nicht an der Kultur sparen

VON THOMAS CLAASSEN - zuletzt aktualisiert: 07.02.2012

Goch (RP). Kultur kostet, ganz klar. Und Goch muss sparen. Warum nicht beim Museum? Man könnte es schließen. Dr. Stephan Mann, Hausherr im Kastell, im RP-Gespräch: "Wer Kultur aufgibt, gibt letztlich das Leben auf."

Nachdenklich: Dr. Stephan Mann, Leiter des Gocher Museums, befürchtet den Verlust der Kultur – und damit "der eigenen Geschichte".  Foto:  Gottfried Evers (ArchiV)
Nachdenklich: Dr. Stephan Mann, Leiter des Gocher Museums, befürchtet den Verlust der Kultur – und damit "der eigenen Geschichte". Foto: Gottfried Evers (ArchiV)

Das Museum schließen, alle damit verbundenen Angebote erst mal streichen? Wer spart, kann darüber nachdenken. In Goch tut das keiner. Konsens über alle Partei- und Fraktionsgrenzen hinweg: Was wir haben an Kultur, das müssen wir uns weiterhin leisten. Warum eigentlich. Frage an Dr. Stephan Mann, bei der Stadt Goch unter anderem Leiter des Museums im Kastell: Warum ist das so wichtig?

"Weil wir, ganz knapp gesagt, dabei sind, unsere Kultur zu verlieren. und damit unsere Wurzeln. Wo bekommen Sie heute noch vermittelt, was ihre Wurzeln sind? Verstehen Sie ihre eigene Kultur? Kultur zeigt dem Menschen, dass er eine Geschichte hat." Eine, die eben nicht erst mit der Geburt beginne. "Und darum ist es wichtig, dass wir auch im Bereich Kultur und Kulturförderung von der Formulierung ,freiwillige Aufgaben' wegkommen. Kultur darf nicht ,freiwillig' sein. Sie ist unabdingbar."

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Für die Kinder

Speziell für Kinder und Jugendliche bietet das Team des Gocher Museums nicht nur eigene, altersgerechte Ausstellungs-Eröffnungen an, sondern auch ständig wechselnde Kreativ-Kurse im Königshaus in der Innenstadt. Außerdem gibt es Führungen, die gerade kleinen Gästen Kunst begreiflich machen.

Und dass "Kultur" eben mehr sei als ein geöffnetes Museum, macht er dann ganz deutlich. Ständig kommen Schulklassen ins Haus, ebenso Kindergartengruppen. Ständig gibt es Angebote auch außerhalb für jede erdenkliche Zielgruppe. Die Zusammenarbeit mit der Stadtbücherei kann nach deren Umzug in das ehemalige Röchling-Autohaus noch stark intensiviert werden.

Und warum? Mann: "Beispielsweise, um Kindern Sehen beizubringen." Häufig seien sie heute zu diesem Sehen gar nicht mehr in der Lage. Ein Bild intensiv zu betrachten, /zu erfassen, zu verstehen, vielleicht auch, es sich zu erarbeiten. Zu lachen, zu weinen. Zu denken eben. Geschichten hören, sprechen. Lernen, sich auszudrücken, sich mitzuteilen, andere zu verstehen. "Wenn Kinder Kunst sehen, dann stellt ihr Hirn ganz neue Zusammenhänge her, Zusammenhänge, die es vorher nicht oder nicht so gab." Das sei wichtiger denn je. "Denn wir machen eben alle die Erfahrung, dass sie das heute nicht mehr können: gucken, hören." Es sei denn, der Fernseher übernehme diese Aufgabe. Das tue er häufig – aber eben unzureichend, unvollständig.

Also alles eine Veranstaltung für die Kleinen? Nein, das sei, betont Stephan Mann, nur ein Beispiel. "Wer Kultur aufgibt, der läuft Gefahr, sich den sprichwörtlichen Ast abzusägen, auf dem er sitzt. Welche Werte gehören zu unserer christlich-abendländischen Tradition? Warum sind sie auch ohne unmittelbare Verbindung zur Kirche wichtig? Das verstehen Sie nur, wenn Sie ihren eigenen Hintergrund kennen, die Kultur, in der Sie leben."

Und Kultur sei mehr, für den Alltag, auch für die Wirtschaft einer Stadt. Ein Standortfaktor nämlich. Man könne beispielsweise in Goch nicht die Ausstellungen zeigen, die Riesen-Andrang und täglich großen Publikums-Zulauf hätten wie "Renner" in Großstädten. "Dafür wäre unser Haus auch gar nicht geeignet", so der Museumsleiter. "Aber deshalb darf man nicht ,Kultur', im weitesten Sinne, den Großstädten überlassen."

Quelle: RP/rl


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