Uedem: Prinz Moritz zum Trinken
VON THOMAS CLAASSEN - zuletzt aktualisiert: 12.10.2009Uedem (RPO). Schon als Frischobst waren sie köstlich – und der Saft der Früchte, die an der Birnenallee in den Klever Galleien reiften, übertrifft selbst die Erwartungen, die Bernd und Rita Hesseling vom Bauernmarkt Lindchen hatten.
"Ganz ehrlich, ich war selbst überrascht. Dass er sooo lecker ist, hätte ich mir trotz all der hohen Erwartungen nicht träumen lassen", sagt Rita Hesseling. Ehemann Bernd nickt. Kein Widerspruch, nichts hinzuzufügen. Doch, vielleicht: Ein Stückchen von dem wunderbaren Bio-Käse aus Milch von Uedemer Kühen dazu . . . wäre jetzt nicht schlecht!
Der Saft als Star
Auch kein Widerspruch. Der Star aber heute ist der Saft der "Prinz-Moritz-Birne". Die Früchte, allesamt gewachsen und gereift an der vor einigen Jahren in den Klever Galleien gepflanzten Allee, sind vor ein paar Wochen geerntet worden, viele gingen bereits im Bauernmarkt Lindchen als knackfrisches Obst über die Theke – für gerade mal 50 Cent pro Kilogramm.
Angereichert
Den naturtrüben Saft gibt es flaschen- oder kastenweise, solange der Vorrat reicht. Bernd Hesseling hofft, dass das bis nach dem Jahreswechsel der Fall sein wird. Als "karnevalistisches Getränk" hat er schon mal den Saft mit etwa 20 Prozent Wodka angereichert und gekostet. Das hänge alle Rharbarber- und sonstigen Mischungen geschmacklich locker ab, so sein Urteil.
Heimisches Obst, ganz und gar naturbelassen, reif gepflückt, in der Nähe bei einem renommierten Betrieb absolut sortenrein zu Saft verarbeitet – und nun trinkfertig im Handel: So schließt sich der Kreislauf in Sachen Regionalvermarktung.
Die Birnbäume, die die schöne Allee in den Galleien bilden, wurden erst vor zweieinhalb Jahren gesetzt. Aber sie haben in diesem Spätsommer schon sehr reich getragen. "Alles ohne Düngung, alles ohne Spritzen, natur pur", sagt Bernd Hesseling, Hausherr im Bauernmarkt Lindchen in Uedem. Ein Blick auf die Früchte zeigt es auch. Sie sind deutlich kleiner als handelsübliche Standard-Birnen.
Der Geschmack? Reich, wie konzentriert. Und so ist auch der Saft. Ganz intensives Birnenaroma, aber ohne jede "Bitternote", wie man sie bei Birnen so oft hat. Dazu die natürliche, kräftige Süße, die überrascht. Denn da wurde nichts nachgezuckert, das liegt einfach daran, dass die Birnen reif gepflückt wurden. Und daran, dass der Betrieb, der das Obst entsaftete, das behutsam und mit genügend Zeit gemacht hat.
Genuss wie zu Omas Zeiten
Ein absoluter Genuss, der daran erinnert, wie vor Jahrzehnten der Saft schmeckte, den die Oma daheim aus den selbst gepflückten Birnen bereitete, noch im alten Alu-Entsafter auf dem Herd, mit dem roten Gummi-Auslauf dran. 1,45 Euro die Flasche (mit den schönen Etiketten) – wahrlich kein hoher Preis für dieses absolut außergewöhnliche Produkt.
Der "Prinz-Moritz-Birnensaft" müsste gar nicht so heißen, um etwas Besonderes zu sein. Hesseling: "Wenn ich mir vorstelle, dass ihn beispielsweise auch die heimische Gastronomie anbietet, als absolutes ,Heimatprodukt', dann ist das eine weitere, absolut passende Möglichkeit der Vermarktung! Die Gäste werden begeistert sein." Begeistert sind jetzt erst einmal die Kunden. Mal sehen, wie lange der Vorrat reicht. Denn er ist zwar nicht ganz klein – aber (im Wortsinne) naturgemäß begrenzt.
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