Goch: So wichtig sind kleine Steine
VON THOMAS CLAASSEN - zuletzt aktualisiert: 30.06.2011Goch (RP). Tag der Entscheidung in Sachen Auskiesung in Asperden: Die Stadt sagt nein. Zufall war's: Fast zeitgleich war in der Liebfrauenschule ein Vertreter der Kiesindustrie zu Gast, zeigte, wie Kies entsteht und wofür man ihn braucht.
Was hat Zahnpasta mit einer Autobahnbrücke zu tun? Viel mehr, als man auf den ersten Blick meinen könnte. Beides gäbe es nicht – oder nicht so, gäbe es keine Auskiesungen, keine Sandgruben. Bernhard Lemkamp kennt sich damit aus. Der Mann von der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit beim Bundesverband der Kies- und Sandindustrie (BKS) in Duisburg hatte gestern Schule. In der vierten Klasse übrigens so das allerste Mal.
Der Kevelaerer selbst war gespannt: Wie kommt das an, was hier im Sachunterricht geboten werden soll? Lemkamp erklärte erstmal, wie Kies entsteht. Warum er gerade in und um Goch so reichlich vorkommt, wie er abgebaut wird, oberirdisch nämlich, oder, wie hier, durch Auskiesung, durch die die Seen rund um Graefenthal entstanden sind, von Menschenhand also.
Auch mit der HRW
Externe im Sachunterricht: nur ein Beispiel für die Bandbreite dessen, was möglich ist. So ist Sandra Albers, zuständige Lehrerin an der Liebfrauenschule, schon eifrig dabei, mit der Hochschule Rhein-Waal Kooperationspläne zu schmieden. Selbst eine "Kinder-Uni" à la Duisburg ist dabei.
Staunen in der vierten Klasse
Kies, der sei, sagt Bernhard Lemkamp, "ein Rohstoff, den wir brauchen". Und dass dieser Kies viel mehr ist als bunte Steine in Murmelgröße, das machte Lemkamp vor staunenden Viertklässlern in der Liebfrauenschule deutlich. Eine Dose voll allerlei Erdreich. Sieht nicht sehr appetitlich aus. Aber sobald die Kinder zu sieben begannen, immer feinere dieser "Filter" benutzten, umso deutlicher wurde: Das sind tolle Sachen. Grober Kies, feiner Kies, grober Sand, feiner – und am Ende allerfeinster Sand, wirklich so fein, dass man ihn auch schon aufgrund der Farbe für Zucker oder Salz halten könnte.
Kies und Sand: Wie toll die filtern, trübes, schmutziges Wasser klar machen können. Auch das konnten die Kinder selbst ausprobieren. Lemkamp demonstrierte den "Müsli-Effekt", ließ sie staunen darüber, dass eine Murmel im trockenen Sand nach oben steigen und im nassen versinken kann. Zeigte, wie verdichteter, sprich festgeklopfter Sand aus sich heraus schon sehr stabil und tragfähig wird.
Nächste Woche gibt's dann noch einen Besuch in einem nahen Kieswerk. Lebenswirklichkeit und Alltag rundherum: Sachunterricht pur, früher gemeinhin Heimatkunde genannt. Sandra Albers, für besagten Sachunterricht an der Liebfrauenschule zuständig: "Die Kinder sind jetzt in einem Alter, wo sie ungeheuer wissbegierig und völlig ohne Vorbehalte mit Physik, Chemie und anderen Naturwissenschaften umgehen.
Dinge aus dem eigenen Lebensumfeld sehen, begreifen, hinterfragen, dadurch verstehen: Sie profitieren davon ungeheuer, auch in anderen Fächern. Und: Sie lernen nachzufragen, weiter zu denken." Dabei stehe stets "die Sache" im Mittelpunkt. Die Erde, der Boden, die Luft. Das Ganze übrigens schon in Kooperation mit der Hochschule Rhein-Waal.
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