Goch: Spielschlacht der Fantasie
VON MICHAEL BAERS - zuletzt aktualisiert: 04.02.2012Goch (RP). Seit zehn Jahren gibt es die Spielegilde Alveran. Die Mitglieder treffen sich regelmäßig, um sich unter anderem in sogenannten "tabletops" zu messen. Dahinter stecken schachähnliche Auseinandersetzungen mit Kriegsfiguren.
Vor mehr als zweieinhalbtausend Jahren einte Kriegergott Sigmar die Stämme und gründete das Imperium. Seitdem hat es jeden Bürgerkrieg, jede Seuche und jeden Versuch einer Invasion überstanden. Dank der Ausdauer seiner Bewohner und des unerschütterlichen Mutes seiner Soldaten. Ob das jedoch auch an diesem Wintersamstag im Gocher Poffihaus so bleiben wird, ist zu Beginn des Nachmittags noch offen.
Gerade stellt Mirko Cziosek die imperialen Streitkräfte auf den etwa einen Quadratmeter großen Tisch, die Spielfläche. Staatstruppen, Großkanonen, schwere Kriegsmaschinen und die mit besonderen Fähigkeiten ausgestatteten Helden werden positioniert. Und zwar so, dass sie außerhalb der Reichweite der Phalanx seines Gegenübers stehen.
Reinschnuppern
Vor zehn Jahren wurde der Verein gegründet, der sich zum Ziel gesetzt hat, Jugendliche von Handy und Computer abzulenken. Zum Angebot gehören neben den "tabletops" Karten- und Brettspiele aller Art sowie Rollenspiele. Getroffen wird sich jeden zweiten Samstagmittag im Poffihaus, das nächste Mal am 11. Februar.
Der wiederum ist Anführer der Tiermenschen, aus deren Köpfen meist gekrümmte Hörner ragen. Mit ihrer animalischen Wildheit sorgen diese unheiligen Kinder des Chaos seit Äonen für Angst und Schrecken auf den Schlachtfeldern. Ihre Tugenden lauten Stärke und Beweglichkeit, das Imperium hingegen setzt auf seine geschmiedeten Rüstungen und die Ergebnisse kriegerischer Ingenieurskunst. Über den Ausgang der Auseinandersetzung werden jedoch Taktik und die Würfel entscheiden.
Gut sein halbes Leben lang gehört der 34-jährige Cziosek schon zu den Rollenspielern. Vorzugsweise aktiv bei sogenannten "tabletops". Strategiespielen, bei denen mit Miniaturfiguren (meist selbst gebaut und handbemalt) Schlachten ausgetragen werden. Dabei ist das Regelwerk derart komplex, dass Außenstehende zunächst einmal so gut wie gar nichts verstehen.
"Bewegen, zaubern, schießen, Nahkampf", listet Ciosek die Reihenfolge auf. Und bei jedem einzelnen Zug werden Truppenmoral, Geländeeigenschaften sowie die speziellen Fähigkeiten der verschiedenen Einheiten und die Wirkung der unterschiedlichen Waffensysteme berücksichtigt. Hinzu kommt dann noch das Glück – denn schon so manche ausgefeilte Attacke scheiterte am Händchen des Heeresführers. Zu wenig Augen auf den Würfeln und weg sind Khazrak der Einäugige, Valthen der Auserwählte oder der unheimliche Erzlektor. "Der hier hat Verteidigung 14, dann booste ich Treffen auf 11", ist vom Nachbartisch zu hören. "Nimm noch eine zweite Reiterei hinzu, dann hast du mehr Bumms, bist aber weniger flexibel", rät einer der gut ein Dutzend Spieler, die an diesem Tag den Weg ins Poffihaus gefunden haben, seinem Gegner.
Richtig, seinem Gegner. Denn neben der Komplexität der Materie fällt eines auf: es wird viel miteinander ge-, be- und abgesprochen. Natürlich möchte hier jeder gern gewinnen, doch bei diesem am ehesten noch mit Schach zu vergleichendem Spiel geht es in erster Linie um den taktischen Wettkampf, die Wahl der richtigen Strategie.
Wer wissen möchte, wie die Partie zwischen Tiermenschen und Imperium ausgeht, sollte den Alveranern einen Besuch abstatten. Jeden zweiten Samstag im Poffihaus.
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