Goch: Start für die neue Stadt
VON MICHAEL BAERS - zuletzt aktualisiert: 25.06.2009Goch (RPO). Das brachliegende Gelände der ehemaligen Reichswaldkaserne soll in den kommenden Jahren zu einem neuen Gocher Stadtteil umgebaut werden. Verantwortlich für die Planung und Gestaltung: die Bürger.
Jahrelang schlief das Gelände der einstigen Reichswaldkaserne in Goch einen tiefen Dornröschenschlaf. Hin und wieder zuckte es etwas, blinzelte, drehte sich auf die andere Seite, doch was genau mit ihm passieren sollte, wusste keiner. Jetzt wurden die 27 Hektar wachgeküsst.
Nicht von einem allein, wie Bürgermeister Karl-Heinz Otto immer wieder betonte, sondern "vom ganzen Team". Dieses Team hat sich vorgenommen, das Kasernengelände zu einem neuen Gocher Stadtteil zu entwickeln – und zwar mit der Hilfe aller Bürgerinnen und Bürger. Das Stichwort lautet: Werkstattverfahren.
"Bonanza in Goch"
Ein Kunstprojekt bildet den Auftakt zum Verfahren – das Museum Goch wird dabei das Gelände in eine Westernstadt verwandeln. "Bonanza in Goch", so Otto schmunzelnd. Anschließend wird das Jugendzentrum Astra erweitert und Anfang kommenden Jahres die Internationale Schule Arnheim dort angesiedelt.
Bürger bestimmen die Richtung
"Das ganze Unternehmen stellt eine einmalige Möglichkeit dar, Bürgerbeteiligung pur zu exerzieren", so Otto gestern während einer Pressekonferenz im Rathaus. Dazu habe man "Top-Partner für die Entwicklung" gewonnen, ergänzte er und meinte damit den Deutschen Werkbund, das Adolf-Grimme-Institut und den WDR Duisburg. Die Gocher Stadtentwicklungsgesellschaft GO! unter Leitung von Carlo Marks und Wolfgang Jansen wird dabei federführend für das Verfahren sein. Auch Stadtbaurat Klaus Krantz sitzt im Organisationsboot, auf dem die Bürger – um im Bild zu bleiben – allerdings die Richtung bestimmen sollen und werden.
Nach den Sommerferien startet dazu der erste Teil eines umfangreichen und in verschiedene Blöcke unterteilten Werkstattverfahrens. Dazu werden die Bürger noch rechtzeitig informiert und eingeladen. Sämtliche Gocher können daran "auch ohne fachliche Vorkenntnisse", wie Marks hervorhob, mitarbeiten. Dabei werden sie von Fachleuten aus den Bereichen Architektur, Stadtplanung, Wirtschaft, Vermarktung und Medien begleitet. Die Einbindung letzterer soll zugleich ein deutliches Zeichen für die angestrebte Transparenz des Projektes sein.
Nach den fünf geplanten Werkstätten (Titel der Veranstaltungen: "Bauformen und Freiraumgestaltung", "Nachhaltig! Schön – Soziale, ökologische und ökonomische Vereinbarkeit", "Miteinander Bauen – Die Renaissance der Baugruppe", "Individuell oder ,von der Stange'? –Verschiedene Bauformen" und "Goch-TV – Das TV-Projekt") folgt jeweils eine "ergebnisoffene Diskussion", so Marks. Anschließend sollen diese Ergebnisse dann in Bauleitplanverfahren umgesetzt werden.
Wie der neue Stadtteil in fünf, zehn oder 15 Jahren aussehen wird, weiß niemand. "Wir wollen bewusst keine Alternativen vorgeben", klärte Marks auf, denn die Initiatoren setzen voll und ganz auf die Kreativität der Bürger. Schließlich sollen genau die sich "mit dem Ergebnis identifizieren können", so der Wunsch des Bürgermeisters. Das Märchen jedenfalls endet bekanntlicherweise mit einem Happy End.
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