Goch: Startschuss für den neuen Stadtteil
VON MICHAEL BAERS - zuletzt aktualisiert: 03.12.2009 - 15:31Goch (RPO). Ein neuer Gocher Stadtteil wird entstehen. In Gebäude 6 der ehemaligen Kaserne stellte die Stadt ihre Partner vor. Im kommenden Jahr wird es in vier Werkstätten einen Gestaltungsprozess geben, der jeden Bürger einbezieht.
Das Emirat Dubai ist in Finanznöten. Damit sitzt auch das derzeit spektakulärste städtebauliche Vorhaben vorübergehend auf dem Trockenen: die berühmten Palmeninseln im Persischen Golf. Ein elitäres Wolkenkuckucksheim sollte es werden, ein Luftschloss auf Sand. Geplant und finanziert vorbei an der Realität, hatte dieses Projekt jegliche Bodenhaftung verloren.
Aus einer Kaserne wird ein Stadtteil
Die Umwandlung der Reichswaldkaserne zu einem neuen Stadtteil, Gochs zukünftiges Mammutprojekt, läuft nicht annähernd Gefahr, ein vergleichbares Schicksal zu erleiden. Soviel steht nach der ersten öffentlichen Infoveranstaltung in Kasernengebäude 6 fest. Rund 180 Interessierte hatten sich in der ehemaligen Bekleidungskammer eingefunden, um sich über die bevorstehenden Bürgerwerkstattverfahren zu informieren. Kleider machen Leute, weiß der Volksmund. Und einen ebenso repräsentativen Charakter soll das „Tortenstück Reichswaldkaserne”, so Stadtbaurat Klaus Krantz, haben, das „sich bis zum Bahnhof erstrecken wird”.
Werkstattverfahren
Das erste Werkstattverfahren ist am 13. Januar. Infos und Anmeldekontakt: Sandra Schleß von der GO!, 02823-9718111.
Werkstatt I: „Generationenverbindendes und -übergreifendes Bauen und Wohnen”.
Werkstatt II: „Plätze, Wege und Grünflächen”.
Werkstatt III: „Soziale, ökologische und ökonomische Vereinbarkeit”.
Werkstatt IV: „Gocher machen Filme und Fernsehen”.
Lediglich eine „Grünverbindung an der Niers entlang” und die Erweiterung des Jugendzentrums Astra „sind gesetzt”, machte Krantz deutlich. Dennoch solle „der Gestaltungsprozess jeden einbeziehen und völlig offen” verlaufen, betonte Bürgermeister Karl-Heinz Otto, der zugab „sehr gespannt” zu sein.
„Die Lebensqualität in Städten wie Goch ist statistisch nachweisbar am höchsten”, erklärte Prof. Dr. Roland Günter vom Deutschen Werkbund. Neben dem Adolf Grimme-Institut, dem Kuratorium Deutsche Altenhilfe und dem Jugendzentrum Astra ist die Vereinigung von Stadtplanern und Architekten, federführender Projektpartner der Gocher Stadtentwicklungsgesellschaft GO! bei der „Konversion der Kaserne”.
220 Einfamilienhäuser
„Uns kennt keiner, aber wir sind weltberühmt”, scherzte Günter. Er vertrat gemeinsam mit Stephan Vogelskamp von der Agentur NOAH! den Werkbund, der „bereits mehr als 100 Jahre Erfahrung im Bereich der Stadtentwicklung hat”. Wolfgang Jansen, Geschäftsführer der GO!, rechnete vor, dass das Gelände „vom Volumen her rund 220 Einfamilienhäusern” entspreche, Goch während der vergangenen 30 Jahre um 19 Prozent gewachsen sei - und damit „deutlich über dem NRW-Durchschnitt” liege.
Carlo Marks, ebenfalls Geschäftsführer der GO!, sprach angesichts der bevorstehenden Aufgaben gleichermaßen von „Chance und Herausforderung”. „Wir haben uns ganz bewusst entschieden, zu Beginn keine Entwürfe zu zeigen”, bekräftigte Marks das Anliegen der Verantwortlichen, zunächst sämtliche Ideen der Bürger zu sammeln. Vogelskamp habe „in Goch einen spezifischen Geist für die Stadtentwicklung” ausgemacht, und Günter ergänzte, dass er für die „Reichswaldsiedlung” eine „fabelhafte Perspektive” sehe.
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