Goch: Verwandlung der Innenstadt
VON VIVIAN KLEIN - zuletzt aktualisiert: 11.12.2007Goch (RPO). In den Jahren ab 1977 wurde der komplette Stadtkern von Goch neu geordnet und saniert. Nach Abschluss des Großprojektes hat die Stadt nun ein sehenswertes Buch über den enormen Wandel herausgebracht.
Franz van Well kann sich noch sehr gut an die unhaltbaren baulichen Zustände erinnern, die in den 60er Jahren mancherorts in Goch herrschten. „Wohnungen hatten nur Plumpsklos in alten Schuppen. Metzgereien schlachteten mitten in der Stadt in den Innenhöfen, die Menschen schauten von ihren Fenstern auf Schrottplätze und düstere Lagerhallen“, beschreibt der Leiter der Gocher Bauordnungsabteilung das Bild der Innenstadt. 1977 beschloss die Verwaltung daher nach fünf Jahren Vorrecherche, den unhaltbarsten Bereich, den südlichen Stadtkern, zu sanieren. Den gesamten Verlauf des Großprojektes, reich bebildert und ausführlich betextet, schildert das neue Buch „Ein Stadtteil wird neu geordnet“.
Finanzierung
Von der „öffentlichen Hand“ wurden für das Sanierungsprojekt 19,2 Millionen Deutsche Mark ausgegeben.
Davon übernahmen Bund und Land 10,4 Millionen, die Stadt trug 3,2 Millionen D-Mark. Die übrigen 5,6 Millionen D-Mark stammen aus Grundstücksverkäufen.
Außerdem seien, so Klaus Krantz, weitere 75 Millionen D-Mark private Investitionen „losgetreten worden“.
Sozialplan erarbeitet
„Es war schon ein gewaltiges Stück Arbeit“, würdigte Stadtbaurat Klaus Krantz die Arbeit aller an der Sanierung Beteiligten. „Ein Neubaugebiet einzurichten ist einfach, aber hier ging es um genutzten und bewohnten Bereich. Man musste sich vor allem auch mit den Leuten beschäftigen, die dort lebten.“ Deshalb wurde neben den Bauplänen ein Sozialplan aufgestellt. „Stellen Sie sich vor, es stünde morgens jemand vor Ihrer Tür und sagte, ihr Haus müsste abgerissen werden, er solle ausziehen. So geht das nicht“, schilderte van Well die Situation der Stadtplaner, zu denen auch er ganz zentral gehörte. Deshalb war er wohl prädestiniert dafür, zusammen mit Dieter Bullack, heute Pensionär und ehrenamtlicher Mitarbeiter des Stadtarchivs, die 90-seitige Dokumentation zu erarbeiten, die ab sofort im Rathaus erhältlich ist.
Anschaulich und vor allem gar nicht trocken ist dort zu Beginn beschrieben, warum überhaupt saniert werden musste: Weil nach dem Krieg eben mit den wenigen vorhandenen Mitteln oft notdürftig wieder aufgebaut wurde, wie es gerade ging. Und weil die historischen Strukturen der wachsenden Stadt nun zum Hindernis wurden. Zum einen gerieten die großen Gewerbebetriebe entlang des mittelalterlichen Stadtgrabens – einst Randlage – jetzt in den Stadtkern. Zudem bestand das Gebiet aus „unendlich vielen kleinen Grundstücken bis 200 Quadratmetern“, erklärte van Well. Da musste zusammengeführt werden, um brauchbare Flächengrößen zu erhalten. Schließlich galt es auch, den Verkehrsfluss neu zu durchdenken. Die Voßstraße wurde so Fußgängerzone.
„Die Menschen, die hier wohnten, mussten einiges ertragen und auch finanziell einiges reinstecken“, weiß Klaus Krantz. „Da war eine Menge Verständnis nötig und dafür möchte ich mich ganz ernsthaft herzlich bedanken.“
Info Das Buch ist ab sofort für fünf Euro an der Rathausinformation erhältlich
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum



