Goch: Windhose in Goch: der Tag danach
VON JULIA LÖRCKS - zuletzt aktualisiert: 20.07.2010 - 17:41Goch (RPO). Die Mitarbeiter des Kommunalbetriebs Goch und der Freiwilligen Feuerwehr sind im Dauereinsatz, denn der Schaden nach Sturm "Olivia" ist größer als nach "Kyrill". An der Dr.-Rütten-Straße hob die Windhose ein Dach an.
Nach acht Stunden Aufräumarbeit gönnen sie sich die erste Pause. Die Männer vom Kommunalbetrieb Goch (KBG) essen Brötchen und Waffeln, trinken Cola und Wasser. Ein kräftiger Schluck, einmal tief durchatmen und schon geht's weiter. Der Nordring in Goch, seit Mittwochabend für Verkehr und Fußgänger gesperrt, ist auch noch am Donnerstagnachmittag mit den Überresten des Unwetters namens "Olivia" übersät. Wie groß das Ausmaß ist, ist derzeit noch unklar "Es ist schlimmer als nach Kyrill", sagt jedoch Georg Gärtner vom KBG.
Tornado
Das ist ein Tornado
Ein Tornado ist, so Andreas Wagner von Meteomedia, ein Luftwirbel mit einem eng begrenzten Durchmesser von bis zu 100 Metern. Nicht zu verwechseln mit einem Hurrikan, der meist einen Durchmesser von mehr als 1000 Metern hat. Den wohl bekanntesten Tornado in Deutschland gab es 1968 in Pforzheim mit 330 km/h.
Dass sich der Sturm zumindest in Goch zu einem Tornado entwickelt hat, bestätigen nicht nur Augenzeugen, die die Windhose gesehen haben. Auch Andreas Wagner, Meteorologe bei Meteomedia, sagt: "Die Wetterlage in Goch lässt es vermuten." So habe der Wetterdienst am Niederrhein 98 Stundenkilometer gemessen, was einer Windstärke von 8 bis 9 entspricht. An der holländischen Grenze waren es sogar 107 Stundenkilometer, so Wagner und ergänzt: "Man spricht von einem Tornado, wenn die Stufe F0 erreicht ist. Das sind Winde unter 118 Stundenkilometern." Indizien dafür seien zum Beispiel Bilder, die die extreme Wetterlage beweisen, oder Dachziegel, die durch Fenster trümmern, Bäume, die in unterschiedliche Richtungen fallen.
"Hier liegt alles kreuz und quer", sagt ein Mitarbeiter, der den Nordring am Donnerstagmittag von Ästen und Bäumen befreit. Denise Lemke (25) ist derweil noch immer geschockt. Das Haus ihrer Eltern an der Dr.-Rütten-Straße hat einen erheblichen Schaden davongetragen. So hat die Windhose innerhalb weniger Sekunden das Dach des modernen Mehrgenerationenhauses angehoben. "Ich hörte nur noch die Schreie meiner Mutter, die im Obergeschoss die Fenster schließen wollte", berichtet Lemke. "Alle raus, schnell", schrie Corinna Lemke, als ihr die Vertäfelung im Zimmer des Sohnes entgegenkam. Das ist auch heute noch unbewohnbar, das Dach hingegen befestigte eine Firma gestern Mittag provisorisch. Danach ging es zum nächsten Schaden.
Ja, Dachdecker, Feuerwehrleute und die Mitarbeiter vom Gocher Bauhof hatten gestern gewiss viel zu tun. Und wie lange die Arbeiten noch andauern, ist unklar. "Unsere Kräfte sind seit Mittwochabend im Einsatz, bisher hatten wir mehr als 200 Einsätze", sagt Torsten Matenaers, Pressesprecher der Freiwilligen Feuerwehr. Am Mittwoch waren es bis zu 160 Männer und Frauen. Dazu kommen noch 36 Mitarbeiter des Kommunalbetriebes.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum



