Uedem/Kairo: "Wir wollen nur noch weg"
VON JULIA LÖRCKS - zuletzt aktualisiert: 01.02.2011 - 10:54Hanne Himmes (28) aus Uedem-Keppeln (Kreis Kleve) ist Lehrerin an der Deutschen Schule der Borromaerinnen in Kairo. Weil dort die Proteste immer gewalttätiger werden, will sie das Land verlassen. Geplante Abreise: Montag, 16.10 Uhr, mit Austrian Airlines.
Am Terminal 3 des Cairo International Airports herrscht Ausnahmezustand. Tausende Menschen haben sich in der Abflughalle der EgyptAir und ihren Partnern aus der Star Alliance – darunter auch Austrian Airlines und Lufthansa – versammelt. Dicht gedrängt stehen sie am Check in-Schalter Schlange, sie warten, telefonieren, hoffen und bangen. Eine Durchsage ertönt, Stimmengewirr, helle Aufruhr. Sie alle wollen nur noch eins: weg.
Eine davon ist Hanne Himmes, 28 Jahre alt, aus Uedem-Keppeln (Kreis Kleve). Gemeinsam mit ihrem Freund Dietmar Glatz (31) aus Wien will sie das Land verlassen.
"Die Zustände hier sind chaotisch, wir wollen nur noch weg", sagt Himmes, die seit anderthalb Jahren an der Deutschen Schule der Borromaerinnen (DSB) in Kairo Deutsch und Sport unterrichtet. Eigentlich sollten ihre Schülerinnen am Donnerstag die erste Abiturprüfung schreiben. Doch daraus wurde nichts. Von ihrer Wohnung aus, etwa drei Kilometer Luftlinie von den Unruhen im Zentrum entfernt, beobachteten sie die Lage. "Wir haben auf Twitter und Facebook geschaut, bis abends, dann wurden die Leitungen gekappt", sagt Himmes. Am Freitag war dann auch das Mobilfunknetz nicht mehr betriebsbereit. Seit Samstag sind sie von der Schule freigestellt.
"Jeder kann ein Räuber sein"
"Wir wollten erst hier bleiben, aber die Proteste werden immer gewalttätiger. Es gibt keine Polizei mehr, nur noch die Bürgerwehr, die mit Messern und Waffen an jeder Straßenecke steht. Dazu die vielen Räuber. Eigentlich kann jeder hier ein Räuber sein", so Himmes. Bedroht wurde sie zwar noch nicht, aber sicher fühlt sie sich in der 18-Millionen-Einwohner Stadt, in der etwa 5000 Deutsche leben, auch nicht mehr. "Am Sonntag haben wir unsere Koffer gepackt und sind mit dem Taxi zum Flughafen gefahren. Ein gespenstischer Moment war das, als wir die vielen Militärs entlang der Straßen gesehen haben", berichtet die 28-Jährige. Zuvor haben sie sich in einem Supermarkt noch mit Lebensmittel eingedeckt.
Das war auch gut so, denn am Cairo International Airport gibt es weder einen Kaffee noch ein Butterbrot zu kaufen. "Alles ist ausverkauft, alles ist einfach nur noch chaotisch", sagt Himmes gestern im Gespräch mit unserer Redaktion. Und dann, um kurz nach 12 Uhr kam die erlösende Nachricht. "Wir haben Tickets für 16.10 Uhr mit Austrian Airlines", sagt Himmes. Nur 20 Plätze standen zur Verfügung. Dietmar Glatz als geborener Österreicher stand auf Platz 1, Hanne Himes auf Platz 18.
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