Goch: "Zentrum der Gemütlichkeit"
VON MICHAEL BAERS - zuletzt aktualisiert: 27.11.2010Goch (RPO). Der dritte mittelalterliche Weihnachtsmarkt auf Gut Graefenthal steht vor der Tür. Mit seiner einzigartigen Atmosphäre und den fröhlichen Akteuren bietet er bewusst einen Gegenentwurf zum hektischen Geschenkewahn.
GOCH-asperden Da nennt Michael Cornély die Region doch tatsächlich seine persönliche "Schwimmflügelecke". Und legt noch nach: er habe beim letzten Mal den Eindruck gewonnen, hier verbreite sich der Charme einer verregneten Gegend Westirlands. "Bei der Tjost streiten sich die Ritter im kommenden Jahr dann vielleicht darum, wer auf der schnellsten Robbe reiten darf."
Und dennoch: obwohl der letzte Markt in einer vormittelalterlichen Sintflut unterging, liebt der Geschäftsführer der Gesellschaft für Burgenmarketing Graefenthal, das spürt man. Das sagt dann auch sein Lächeln: "Es ist sensationell, was sich hier seit der Premiere 2008 entwickelt hat. Wir haben Anfragen von den besten Händlern in der Branche, bei uns gibt es keine mittelalterliche Handyoberschale im Angebot. Und weil die Stimmung hier so einmalig ist, wächst in jedem Jahr die Zahl der Anrufer, die gerne einen Stellplatz haben möchten."
Öffnungszeiten
Geparkt wird bei der benachbarten Kiesbaggerei GMG, am Samstag und Sonntag fährt ab 15 Uhr wieder ein Pendelbus ab dem Klosterplatz in der Gocher Innenstadt. Die Spielzeiten für das Krippenspiel sind am Samstag von 13 Uhr bis etwa 19.30 Uhr und am Sonntag von 12 Uhr bis etwa 18.30 Uhr. Geöffnet ist der dritte mittelalterliche Weihnachtsmarkt freitags von 13 bis 21 Uhr, samstags von 11 bis 21 Uhr und sonntags von 11 bis 20 Uhr. Erwachsene zahlen 4 Euro Eintritt, Kinder bis 14 Jahre 2 Euro und Familien (2 Erw., 2 Kinder) 10 Euro. Gewandete Besucher entrichten den Kinderpreis.
Warum das so ist, lässt sich leicht erklären. Zweimal im Jahr findet auf Gut Graefenthal eine Zeitreise statt. Wenn das Mittelalter Einzug im einstigen Kloster hält, scheinen die geschichtsträchtigen Gemäuer lebendig zu werden, verwandelt sich das Gelände in einen Marktplatz des 12. Jahrhunderts, in ein "Zentrum der Gemütlichkeit", so Cornély. Es gibt mittelalterliche Gewerke zu bestaunen und kulinarische Köstlichkeiten zu probieren. Insgesamt 147 Stände (ein neuer Rekord) warten auf die Besucher. Dabei mischen sich wieder klassische Weihnachtsmarkt-Angebote mit Waren aus längst vergessenen Zeiten.
Den Sonderstatus des Graefenthaler Mittelalter-Marktes untermauern wird auch in diesem Jahr wieder das aufwändig inszenierte und in zwei Sprachen dargebrachte Krippenspiel inklusive Finale am See. Außerdem sorgen zahlreiche Feuerkörbe, Gaukler und Berittene für eine perfekte Atmosphäre in atemberaubender Kulisse.
Klassiker und viel Neues
All das, was in den letzten Jahren den Erfolg dieses weithin einzigartigen Marktes ausgemacht hat, findet also auch am 3. bis 5. Dezember wieder den Weg nach Asperden. Neu hinzu kommt in diesem Jahr noch der Klosterladen, der pünktlich zum Weihnachtsmarkt eröffnet (wir berichteten), und erstmals wird es auch eine Bronzegießerei geben. Betrieben wird sie von Studenten, Mitarbeitern und Dozenten des Gießereiinstituts an der Universität Duisburg-Essen. Wie auch im Druckgrafik-Atelier in der Remise sind die Besucher eingeladen, sich einen Eindruck von den alten Handwerkskünsten zu verschaffen. Und so ist auch Cornély schon wieder voller Vorfreude: "Ich kenne viele solcher Märkte", so der Experte, "aber Graefenthal ist die einzige location mit solch einer einmaligen Stimmung."
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