Goch: Zwischen Wahrheit und Fiktion
zuletzt aktualisiert: 07.11.2008Goch (RPO). „Tales from the West Side“, unter diesem Motto zeigt das Museum Goch ab 9. November Arbeiten des jungen Foto- und Videokünstlers Mirko Martin. Martin wurde 1976 in Sigmaringen geboren.
2007 verließ er die Hochschule der Bildenden Künste in Braunschweig, seit 2005 hält er sich unter anderem als Stipendiat des DAAD regelmäßig in Kalifornien auf. 2007 erhielt er den Nordwestkunstpreis der Kunsthalle Wilhelmshaven sowie in diesem Jahr den Aenne-Biermann-Preis für deutsche Gegenwartsfotografie.
In Goch zeigt der Künstler neue Foto- und Videoarbeiten, die größtenteils während seines Studienaufenthaltes in Kalifornien entstanden. In diesen, in der losen Serie L.A. Crash zusammengefassten Bildern, geht es ihm um das Spiel mit der Realität: Viele der Aufnahmen entstanden an Filmsets im öffentlichen Raum. Mirko Martin spielt mit diesen bekannten Motiven und stellt sie wie Episoden aus einem Film nebeneinander. Und so wirken die Motive wie Stils aus unterschiedlichen Filmen und bedienen klischeehafte Vorstellungen von Los Angeles und der Westküste.
Dies ist aber nur die sichtbare Botschaft dieser Fotos. Durch eine bildnerische Verdichtung der Geschehnisse sowie die nachträgliche Zusammenstellung der Aufnahmen lässt Martin jene Realität entstehen, die es unmöglich macht, zwischen Wahrheit und Fiktion zu unterscheiden. „Der Betrachter soll zu einer rekonstruierenden Detektivarbeit verleitet und auf Codes zurückgeworfen werden, anhand derer wir Fotografien entschlüsseln“, so Mirko Martin.
Zu sehen sein wird zudem das Video „The legend of Zorro“, eine Videodoppelprojektion aus dem Jahr 2006. Das Material wurde im Oktober 2005 bei der Weltpremiere des Films „The legend of Zorro“ in Downtown Los Angeles aufgenommen. Die Parallelprojektion der Bilder in der Installation stellt Verbindungen her zwischen den ausgeschlossenen, überwiegend lateinamerikanischen Zuschauern, dem Filmpersonal auf dem roten Teppich sowie der Handlung des Films. Der beigefügte Text enthält Hintergrundinformation zur Figur des Zorro und deren Bezug zur Geschichte Kaliforniens. Mirko Martin lässt die Betrachter für kurze Zeit eindringen in die Traumfabrik Hollywoods, um sie schließlich fragend nach der Realität der Bilder zurück zu lassen. In diesem Dialog sind Bilder und Videoarbeiten von großer Aktualität.
Eröffnet wird die Ausstellung am kommenden Sonntag, 9. November, um 11.30 Uhr im Museum Goch. Sie ist bis 11. Januar 2009 zu sehen. Der umfangreiche Katalog zur Ausstellung erscheint im Kerber Verlag Bielefeld/Leipzig und wurde möglich durch Unterstützung der Verbandssparkasse Goch-Kevelaer-Weeze.
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