Kevelaer: 100 Euro für Hefte und Stifte
VON ANJA SETTNIK - zuletzt aktualisiert: 15.10.2008Kevelaer (RPO). Die Ankündigung der Bundesregierung, bedürftige Familien mit 100 Euro pro Schuljahr für Lernmittel zu unterstützen, wird von Kommunen und Schulleitungen zurückhaltend aufgenommen. Tenor: Bloß kein Bargeld!
Dass es erschreckend viele bedürftige Kinder gibt – das bestreiten die Verantwortlichen auch in Kleinstädten mit überwiegend bürgerlicher Klientel längst nicht mehr. Immer mehr Familien fällt es schwer, die Ausgaben für Schulmaterialien und sogar das Mittagessen aufzubringen. Deshalb hat die Bundesregierung (auf Initiative der SPD) vor, Kindern aus Hartz-IV-Familien vom nächsten Schuljahr an besonders unter die Arme zu greifen (RP berichtete im Hauptteil am 9. Oktober). Geplant ist, ihnen pro Jahr für Lernmittel 100 Euro in bar oder in Form von Gutscheinen zukommen zu lassen.
Beliebte Route
In NRW gilt Lernmittelfreiheit: Die Schulen leihen ihren Schülern kostenlos Schulbücher und Arbeitshefte. Allerdings müssen sich Eltern an den Anschaffungen beteiligen: Der Eigenanteil beträgt etwa ein Drittel der Anschaffungskosten. Persönliche Ausstattung wie Hefte und Stifte müssen laut Gesetz die Eltern anschaffen.
Zuschuss für Bücher nicht nötig
Marc Buchholz, Sozialdezernent in Kevelaer, weiß, dass das Geld in vielen Familien willkommen wäre. Bargeld auszugeben – davor warnt er jedoch. „Nicht alle Eltern gehen verantwortungsbewusst mit dem Geld um, das für ihre Kinder bestimmt ist“, sagt er vorsichtig. Er fürchte, dass die 100 Euro zum Teil für andere Zwecke verwendet würden. Grundsätzlich sei der Zuschuss für Bücher nicht nötig, denn Hartz-IV-Familien könnten auch jetzt schon eine Erstattung der Ausgaben für Bücher beantragen.
Und Hefte und Stifte gebe es regelmäßig vor Schuljahresbeginn so günstig bei Discountern, dass deren Anschaffung kaum ein großes Problem bedeuten könne. Buchholz hat eine andere Idee: Bund oder Land sollten das Geld lieber den Schulträgern (also den Kommunen) anvertrauen, dann könnten die es für das Mittagessen im Ganztag oder zur Finanzierung von Klassenfahrten einsetzen.
Horst Hansen, Rektor der St.-Antonius-Grundschule, ist auch für die Gutschein-Lösung. Wobei er betont, dass die Schule in ihrem Etat auch Mittel für Bedürftige habe. Wer seine Not nachweise, könne mit Hilfe (etwa auch durch den Förderverein) rechnen. „Alle Kinder müssen die gleichen Lern- und Startchancen haben.“ Häufig komme es vor, dass Schüler zu Schuljahresbeginn ohne die Bücher erschienen; bis die angeschafft würden, entstünden der Schule Kosten durch sehr viele Kopien.
Geld fürs Mittagessen
Etwa ein Drittel der Jungen und Mädchen, die am offenen Ganztag der Grundschulen in Kevelaer teilnehmen, bekommen übrigens einen Zuschuss zum Schul-Essen: Nach dem NRW-Programm „Kein Kind ohne Mittagessen“, das zunächst bis 2010 gilt, zahlt das Land einen Euro pro Kind und Tag, und der Schulträger gibt 50 Cent dazu. So können bedürftige Eltern ihre Kinder für einen Euro am Mittagessen teilnehmen lassen. Die Nachfrage (nach Ganztag und finanzieller Unterstützung) steigt von Jahr zu Jahr.
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