Kevelaer: 60 Jahre hinter der Theke
zuletzt aktualisiert: 14.08.2010Kevelaer (RPO). Egal ob Handwerker, Angestellter oder Facharbeiter – sie alle verfolgen dasselbe Ziel: Jeder will auch nach dreißig Jahren noch mit Herzblut ans Werk gehen. Anneliese Brouwers hat dieses Ziel allerdings schon lange hinter sich gelassen. Sie blickt heute mit ganz Kervenheim auf 60 Jahre hinter der Theke im Brouwers zurück.
"Die Häppchen mache ich selbst", verspricht die 83-Jährige schmunzelnd. Auch wenn sie sich nicht sicher ist, was für ein Ansturm sie erwartet. "Es kommen oft Leute, die man das ganze Jahr nicht gesehen hat und das freut mich." Doch auch Stammgäste und solche, die es noch werden wollen, sind heute ab 18 Uhr eingeladen. Mit neun "Fröschen" kann die Wirtin aber in jedem Fall rechnen. Der Damenkegelclub ist schon seit 45 Jahren nicht mehr aus dem Leben der gebürtigen Sonsbeckerin wegzudenken.
Kegeln als Leidenschaft
Als Gründungsmitglied ist es dabei selbstverständlich, dass sie an jedem monatlichen Treffen teilnimmt, wenn die Frauen mit einem kleinen Bus nach Winnekendonk aufbrechen. "Früher wollten mein Mann und ich das Grundstück nebenan kaufen und dort eine Kegelbahn errichten", erinnert sich Brouwers.
Doch auch wenn aus diesen Plänen nichts geworden ist, hat sich die Leidenschaft für den geselligen Sport in ihrer Familie fest verankert. Zwei ihrer drei Kinder sind inzwischen ebenfalls Mitglieder eines Kegelclubs und helfen trotz eigener Berufe auch in der Wirtschaft regelmäßig mit.
Keine Spülmaschine
Manchmal schaffen sie es sogar, ihre Mutter von einigen Veränderungen zu überzeugen. "Mein Sohn will hier wieder einen Billiardtisch reinsetzen", erklärt Brouwers. "Ich hab ,Ja' gesagt – aber erst ab nächster Woche." Von einer Sache konnten die Kinder ihre Mutter jedoch nicht überzeugen. Bei Anneliese Brouwer wird selbst nach Feiern mit rund 200 Gästen noch alles mit der Hand abgewaschen.
"Ich hab sogar mal eine Spülmaschine gehabt, die ist vom Stehen kaputtgegangen", erinnert sie sich lachend. Doch wer mit Sportler- und Reiterbällen, Musik- und Karnevalvereinen und eingesessenen Karten- und Dartclubs fertig wird, der meistert auch den Abwasch. Dutzende von Pokalen zieren die Regale hinter der Theke und erinnern an die unzähligen Feiern der umliegenden Sportvereine in der gemütlichen Wirtschaft.
Es ist die Geselligkeit, die Anneliese Brouwers an ihrem Beruf schätzt. Denn wenn sie nicht gerade mit ein paar Freundinnen Rommé spielt, wird gewürfelt. "Das kommt ganz automatisch, sobald wir hier am Tisch sitzen. Dann fragt einer: Woll'n wir einen Knobeln? So geht das dann", erzählt sie. Munter soll es auch in drei Jahren zugehen, wenn die kleine Wirtschaft in der Winnekendonkerstraße 4 ihren 110. Geburtstag feiert.
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