Kevelaer: Behinderte in alle Schulformen?
VON ANJA SETTNIK - zuletzt aktualisiert: 23.02.2010Kevelaer (RPO). Nach einer UN-Konvention müssen Schüler mit besonderem Förderbedarf die Chance haben, auch Regelschulen zu besuchen. Hauptschule Kevelaer bietet es schon an. Sonderschulen könnten viele Schüler verlieren.
Situation in Weeze
Auch in Weeze gibt es gemeinsamen Unterricht – die Marienwassergrundschule nimmt auch behinderte Kinder auf. Die Verbundhauptschule Weeze-Uedem hingegen habe vorerst mit ihrem neuen Realschulzweig genügend strukturelle Änderung zu verkraften, befindet Schulrat Fischer. Klar sei, dass die Diskussion aber an allen Schultypen und ebenso in allen Kommunen geführt werden müsse.
/ weeze Nach einer UN-Konvention, die seit März 2009 auch Bundesgesetz ist, müssen die Kommunen künftig Konzepte für die Integration behinderter Schüler in Regelschulen entwickeln. Die Vereinten Nationen haben nämlich festgestellt, dass niemand diskriminiert werden und auf eine besondere Schulform gezwungen werden darf. Was bedeutet dies nun für Eltern behinderter Kinder? Wohl nicht ein Individualrecht in dem Sinne, dass jede Schule jedes Kind aufnehmen müsse. Vielmehr geht Schulrat Johannes Fischer davon aus, dass behinderten Schülern der Besuch jeder Schulform in zumutbarer Entfernung ermöglicht werden muss.
Pädagogische Ratschläge
Der Klever Schulrat Fischer, neben den Grundschulen inzwischen auch für die Förderschulen zuständig, hat ein Entwicklungskonzept erstellt, das pädagogische Ratschläge enthält, auf deren Grundlage die Kommunen planen sollen. Das tun diese, versichert Kevelaers Schuldezernent Marc Buchholz: "Ich habe vorgeschlagen, dass sich Schulleiter und Kommunen an einen Tisch setzen und intensiv an dem Thema arbeiten." Ob eine der Förderschulen im Gebiet der Stadt in absehbarer Zeit in ihrem Bestand gefährdet ist, könne Buchholz nicht abschätzen. Er glaubt es aber eher nicht: "Wo sollten all' die Sonderpädagogen für die Regelschulen herkommen?" Dass sich etwas bewegen werde, sei klar.
Bei den Grundschulen ist in Kevelaer St.-Antonius Schwerpunktschule für den Gemeinsamen Unterricht. Unter den weiterführenden Schulen bietet ihn nur die Hauptschule an, während Realschule und Gymnasium sich nicht beteiligen. Das bedauert Schulrat Fischer, der in der frühzeitigen Trennung der Schüler nach Leistungsvermögen einen Widerspruch zum Integrationsgedanken sieht. Fischer hält es für nicht verantwortbar, dass gerade die Hauptschule, die ohnehin stark belastet sei, sich bisher alleine der Aufgabe stelle. Der Pädagoge ist für längeres gemeinsames Lernen und verlangt strukturelle Änderungen im Bereich der weiterführenden Schulen.
Regina Steiner ist Leiterin des Förderzentrums an der Bieg. Die frühere Pestalozzischule fördert unter einem Dach Lern- und Sprachbehinderte. Die Rektorin hat noch von keinen Eltern gehört, die ihr Kind lieber zu einer Regelschule geben wollen. "Das kann auch nur funktionieren, wenn sich die Rahmenbedingungen dort ändern. Ohne das würde ich mir große Sorgen um unsere Kinder machen." Ein "Abschaffen" der Förderschulen wäre in ihren Augen fatal. "Ich glaube eher, dass es auf eine Pluralität der Angebote hinauslaufen wird. Unsere Kinder brauchen einen besonderen Schutzraum, den sie hier haben. Wichtig ist – insbesondere für Kinder mit einem reinen Sprachförderbedarf – dass das System durchlässig bleibt."
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