Weeze: Cyriakusplatz: Mieter müssen Laden weichen
VON ANJA SETTNIK - zuletzt aktualisiert: 10.09.2010 - 10:29Weeze (RPO). Weil zwischen Cyriakusplatz und Geizefurt ein "Vollsortimenter" angesiedelt werden soll, müssen einige Häuser, die der Gemeinde gehören, abgerissen werden. Für die betagten Bewohner ist diese Aussicht belastend.
Der Blick aus diesen Fenstern ist seit Jahren nicht mehr schön. Bis der Platz, auf den die Mieter blicken, freundlich und lebendig aussehen wird – vielleicht im nächsten Sommer – müssen sie damit leben. Und dann steht für alle Bewohner der Häuser links vom Cyriakusplatz wohl auch schon bald der Umzug an. Wie hinlänglich bekannt, plant die Gemeinde Weeze an dieser Stelle einen großen Supermarkt. Für den müssen einige Altbauten weichen.
Warten auf Volksbank-Bau
Die alte Dame äußert sich zunächst vorsichtig, dann aber deutlicher. Eigentlich möchte sie gar nichts sagen. So richtig Bescheid wüssten sie, die Mieter, ja noch gar nicht. Sie habe erfahren, dass in jedem Fall noch ein Jahr vergehe, bis sie raus müsse aus ihrer Wohnung. "Erstmal muss ja die Volksbank fertig werden." Erst dann kann das Geldinstitut, dessen Gebäude an der Geizefurt ebenfalls verschwinden wird, an den neuen Standort an der Kevelaerer Straße gegenüber dem Cyriakusplatz umziehen.
Seniorenwohnungen
Vor einigen Wochen hatte das Dortmunder Institut für Gerontologie im Auftrag des Kreises Kleve in Weeze ein Bürgerforum zum demografischen Wandel veranstaltet. Eingeladen waren ältere Weezer, die ihre Vorstellungen vom Leben im Alter äußern sollten. Dabei war unter anderem geäußert worden, dass altengerechte und bezahlbare Wohnungen im Ort knapp seien.
Die Mieterin, die seit 20 Jahren aus den Fenstern ihrer Wohnung auf den Rathausvorplatz blickt, versichert, sich über die Situation nicht aufzuregen. "Aber eine Sauerei ist es schon – erst hatten wir die ganze Zeit den Baudreck, und dann verjagt man uns auch noch."
Bislang hat sie sich noch nicht nach einer neuen Wohnung umgesehen, argwöhnt aber, dass die Suche schwierig wird. "Sie muss zentral liegen und darf nicht zu teuer sein." Ein anderer sehr betagter Mieter mag gar nichts sagen. Die Nachbarin nimmt an, dass er mit der Situation überfordert sei. Genauso wie eine pflegebedürftige Seniorin, die vermutlich gar nicht wisse, dass ein Umzug anstehe.
Für jüngere Leute sei die Umstellung bestimmt nicht so schlimm, für die Älteren wohl. Bürgermeister Ulrich Francken hatte sich schwer damit getan, die Mieter zu informieren und damit zu beunruhigen. "Die Leute wohnen dort zum Teil seit Jahrzehnten, haben weite Teile ihres Lebens in den Häusern verbracht. Es tut uns leid, dass es keinen anderen Weg gibt, als die Häuser, die der Gemeinde gehören, abzureißen."
Für alle Belange älterer Mitbürger zuständig ist der Seniorenbeirat. Dessen Vorsitzender Werner Duncker gibt zu, dass er an dieses Problem noch gar nicht gedacht hat. "Der Bürgermeister hat mich aufgefordert, ihm Anmerkungen zu den Neubau-Plänen aufzuschreiben. Aber Ihr Hinweis ist gut, den werd' ich mir zur Brust nehmen." Er werde die Frage, wie den Anwohnern zu helfen sei, mit der Verwaltungsspitze besprechen.
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