Kevelaer: Der Bischof dankte – und mahnte
VON TIM KEMPEN - zuletzt aktualisiert: 04.06.2007Kevelaer (RPO). Wenn er über seine Heimat spricht, die Situation der Menschen in seinem Bistum, dann spürt man den unermüdlichen, aufopferungsvollen Einsatz, mit dem Bischof Dr. Franjo Komarica für die Rechte der Unterdrückten in Bosnien eintritt. Auch zwölf Jahre nach dem Bürgerkrieg sei die Situation besonders für die katholische Minderheit in seiner Heimat unerträglich, erklärte der Bischof von Banja Luka bei seinem Besuch in Kevelaer am Wochenende. 1991, also im Jahr vor dem Kriegsausbruch, lebten in seiner Diözese 120000 Katholiken. Heute sind es keine 40000 mehr.
„Das ist ethnische Säuberung“, klagte der Bischof bei einem Vortrag im Don-Bosco-Saal am Samstagabend. Die katholischen Rückkehrer erhielten kaum Arbeit, ihre alten Häuser seien häufig von Serben bewohnt und die medizinische Versorgung sei unzureichend, das Einkommen minimal. So werde es auf Dauer keinen Frieden geben, erklärte der Bischof: „Die Ungerechtigkeit ist die Basis für neue Kriege.“ „Warum müssen wir immer das Pulverfass sein?“
Beim Empfang mit Bürgermeister Dr. Axel Stibi im Rathaus, wo sich Komarica ins „Goldene Buch“ der Stadt eintrug, fand der Bischof deutliche Worte zur Europapolitik. Der Krieg in seiner Heimat sei nicht nur ein Bürgerkrieg gewesen, vielmehr sei er stellvertretend für internationale Machtspiele geführt worden. „Warum einigt ihr Euch nicht? Warum müssen wir immer das Pulverfass sein?“, fragte der Bischof im Hinblick auf das politische Tauziehen der großen Staaten. Sein Fazit: „Europa hat versagt!“ Wenn Europa im kleinen Bosnien nicht gelingen könne, wie solle es dann in ganz Europa gelingen. Er rief die Politiker auf Gutes zu tun: „Ihr könnt das. Und wenn nicht, gebt Eure Funktionen ab.“ Es dürfe nicht sein, dass, wie in seinem Land, Menschen das politische Sagen haben, die einen Teil ihrer Bevölkerung hassen. Pastor Zekorn sicherte weitere Hilfe zu
Für Frieden in Bosnien beten
Bei der Friedensmesse an der am Samstagmorgen über 100 Menschen teilnahmen, bei der Lichterprozession am Samstagabend und beim feierlichen Hochamt am Sonntag in der Marienbasilika rief Bischof Komarica die Gläubigen immer wieder auf, für den Frieden in Bosnien zu beten.
Bischof Komarica bedankte sich bei den Helfern, besonders den Frauen der kfd St. Marien, bei den „wertvollen Menschen, diesen Wohltätern für die Notleidenden in unserer Heimat“. Dr. Stefan Zekorn, Pastor von St. Marien, sicherte weitere Hilfe zu.
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