Kevelaer: Der Klang der Hirtenmusik
VON STEFAN GILSBACH - zuletzt aktualisiert: 24.12.2009Für viele Musikliebhaber gehört Händels Oratorium „Messias” zum Christfest. Vor allem der erste Teil verströmt weihnachtliche Stimmung. Für den Komponisten war das Werk die Rettung aus einer schweren Krise.
Es ist dieser Rhythmus, der wiegende, einlullende Dreiertakt. „Sobald sie das hören, wird‘s weihnachtlich”, sagt Romano Giefer. Es ist der Auftritt der Hirten im „Messias” von Georg Friedrich Händel. Zurück geht diese Tradition auf die „Pifferari”, italienische Hirten, die zur Weihnachtszeit in Rom vor Bildnissen der Madonna Musik machten.
Für viele Musikliebhaber gehört das Oratorium fest zu den Feiertagen. Zwar hat das Werk in Bachs „Weihnachtsoratorium” einen großen Mitbewerber. Doch speziell der erste Teil des „Messias”, der sich der Weihnachtsgeschichte widmet, ist lupenreine Christfestmusik.
Schon selber aufgeführt
Basilikakantor Romano Giefer und Basilikaorganist Elmar Lehnen kennen den „Messias” gut. Ersterer hat das Werk schon einmal mit dem Hochschulchor in Köln aufgeführt, Lehnen war bei einer Kevelaerer Aufführung im Jahr 2007 der Continuo-Spieler an der Orgel. „Der Schwierigkeitsgrad wird oft unterschätzt”, sagt Lehnen. „Es ist eine Sache der Ausdauer”, ergänzt Giefer. Das komplette Werk ist abendfüllend. „Es wird gern gekürzt.” In manchen Weihnachtskonzerten wird nur der erste Teil gespielt, ergänzt durch das berühmte Halleluja. „Das wird bei uns erst Ostern gesungen”, sagt Elmar Lehnen.
Messias ist hebräisch und bedeutet „der Gesalbte”. Laut jüdischer Überlieferung ist der Messias der Erlöser, des Retter. Für den Komponisten selbst war sein „Messias” ebenfalls eine Rettung. Händel befand sich anno 1741 in einer schweren Krise. Ein Schlaganfall hatte ihn einige Jahre zuvor getroffen. Zwar war er leidlich gesund geworden, doch seine jüngsten Opern kamen beim Publikum in London nicht an. Er fühlte sich verbraucht und müde, dachte über den Rückzug von der großen Musikbühne nach. Es wird erzählt, dass Händel den Text des „Messias” auf seinem Schreibtisch fand und beim Lesen in einen Schaffensrausch geriet. Nach drei Wochen war das Oratorium fertig. Danach soll Händel in einen 20-stündigen Schlaf gefallen sein, um erfrischt und mit neuem Lebensmut zu erwachen. Das Werk wurde 1742 in Dublin uraufgeführt. Der Rest ist Geschichte.
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