Kevelaer: Dr. Stefan Zekorn wird Weihbischof in Münster
zuletzt aktualisiert: 03.12.2010 - 17:48Dr. Stefan Zekorn (51), Domkapitular und Wallfahrtsrektor des Bistums Münster, ist von Papst Benedikt XVI. zum Weihbischof in der Diözese ernannt worden. Das wurde am Freitag (3. Dezember) zeitgleich in Rom und in der Bischofsstadt bekanntgegeben. Um 12 Uhr läuteten deshalb die Glocken.
Der bisherige Pfarrer im Wallfahrtsort Kevelaer (Kreis Kleve) übernimmt nach Angaben von Bischof Felix Genn die Bistumsregion Münster/Warendorf, die bis Ende vorigen Jahres vom jetzigen Essener Bischof Franz-Josef Overbeck betreut wurde. Sie zählt rund 355.000 Katholiken. Außerdem wurde Zekorn vom Papst zum Titularbischof des untergegangenen Bistums Aquae Albae in Mauretanien bestimmt. Die Bischofsweihe findet am 13. Februar statt.
"Ich freue mich"
"Auf der einen Seite freue ich mich über die Berufung und die neue Aufgabe", sagt Pfarrer Dr. Stefan Zekorn kurz nach der Ernennung zum Weihbischof. "Es ist eine schöne Herausforderung, mit einer ganzen Region den Weg des Glaubens zu beschreiten." Doch mit der neuen Aufgabe lässt er seine alte Wirkungsstätte hinter sich. "Ich gehe nur ganz schweren Herzens von Kevelaer weg", sagte der 51 Jahre alte Geistliche. "Das fällt mir wirklich schwer."
Seine zukünftige Wirkungsstätte ist für Zekorn allerdings nicht neu. Bereits kurz nach seiner Priesterweihe war er für zwei Jahre Kaplan in Warendorf. Darüber hinaus hat er insgesamt 23 Jahre in der Gegend in und um Münster gelebt. Der Typ "Bodenständiger Münsterländer" ist ihm also geläufig.
In jedem katholischen Bistum hat der (Diözesan-)Bischof mit der Ernennung durch den Papst die oberste Hirten-, Lehr- und Rechtsgewalt inne. Zur Unterstützung des Bischofs in der Leitung des Bistums ernennt der Papst einen oder mehrere Weihbischöfe, die im Auftrag des Diözesanbischofs handeln. In der Diözese Münster mit ihren knapp zwei Millionen Katholiken in rund 350 Kirchengemeinden erreichte Bischof Heinrich Tenhumberg in den siebziger Jahren eine Unterteilung in fünf Bistumsregionen (44 Dekanate), denen seither ein Weihbischof vorsteht.
Die Weihbischöfe führen in den Pfarrgemeinden ihrer Region Visitationen durch und spenden das Sakrament der Firmung; sie sind „Sprachrohr“ ihres Bischofs in der jeweiligen Bistumsregion, umgekehrt tragen sie Sorge, dass der Bischof über die eigenen Kontakte hinaus die Sorgen und Anliegen der Regionen kennt.
Die Weihbischöfe sind ordentliche, stimmberechtigte Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz.
Zekorn wurde am 3. Oktober 1959 in Datteln geboren. Er studierte Philosophie und Theologie in Münster und Rom und wurde 1984 zum Priester geweiht. Nach Kaplansjahren in Warendorf berief ihn der damalige Bischof von Münster, Reinhard Lettmann, zum Bischofskaplan und Privatsekretär. Zugleich wurde Zekorn Domvikar und übernahm als Subsidiar Aufgaben am Bischöflichen Offizialat in Münster. Währenddessen absolvierte er ein Promotionsstudium, das er 1992 mit einer Doktorarbeit über den deutschen Theologen, Mystiker und berühmten Prediger Johannes Tauler abschloss.
Seit 2006 in Kevelaer
Von 1992 an war Zekorn dann Spiritual am Theologenkonvikt Collegium Borromaeum in Münster. Zekorn ist seit 2006 Pfarrer von St. Marien in Kevelaer und damit auch Rektor des größten Wallfahrtsortes im nordwestdeutschen Raum mit jährlich mehr als 800.000 Pilgern. Er übernahm damals die Nachfolge von Richard Schulte Stade. Im Oktober 2009 feierte er dort auch sein Silbernes Pristerjubiläum.
Zekorn selbst ist bodenständig. Er gilt als ein aufgeschlossener, den Menschen zugewandter Geistlicher. Er lacht gern und oft, ist beliebt. Zugleich ist er durch und durch Theologe, schreibt Bücher über Glauben, Kirchenkunst und natürlich über das Wallfahrtsleben in Kevelaer. Herausgegeben hat er beispielsweise ein Buch, in dem prominente Persönlichkeiten des kirchlichen und öffentlichen Lebens beschreiben, wie sie sich als Katholiken angesichts der Herausforderungen in Kirche und Gesellschaft entschiedenes Christsein vorstellen.
Auf die Frage, wie er Ruhe finde, heißt seine Antwort: "Im stillen Gebet." Dabei sind seine stillen Stunden eher begrenzt: Zu Hunderttausenden kamen Pilger in seine Pfarrei in Kevelaer, um sich auf dem Pilgerweg zur Gnadenkapelle mit dem Marienbild segnen zu lassen: Katholiken aus Deutschland und dem europäischen Ausland, Junge und Alte. Allein zur Wallfahrt der Tamilen kommen jährlich rund 15.000, und die Ministrantenwallfahrt 2009 war mit 11.000 Teilnehmern das größte kirchliche Jugendereignis nach dem Weltjugendtag 2005 in Köln. Sie alle hat der künftige Weihbischof von Münster erlebt und mit ihnen gebetet.
Ein wenig enttäuscht ist Zekorn, dass der Papst bei seiner kommenden Deutschlandreise wohl nicht nach Kevelaer kommen wird. "Ich habe mich über meine Kontakte in Rom dafür eingesetzt, dass Kevelaer einer der Besuchsorte wird", bekannte er unlängst in einem Interview. Leider habe dies offensichtlich nicht ausgereicht.
Fünf Weihbischöfe
Das Bistum Münster, dem seit März 2009 Bischof Felix Genn vorsteht, ist mit rund zwei Millionen Katholiken die nach Katholikenzahl drittgrößte Diözese Deutschlands. Mit Zekorn hat das Bistum jetzt wieder fünf Weihbischöfe. Erst im Mai waren nach Zeiten großer Vakanz mit Christoph Hegge, Wilfried Theising und Dieter Geerlings gleich drei neue Weihbischöfe für die Regionen Steinfurt/Borken, Niederrhein und Coesfeld/Recklinghausen ernannt worden. Bereits seit 2001 ist darüber hinaus Weihbischof Heinrich Timmerevers für den in Niedersachsen liegenden Offizialatsbezirk Oldenburg zuständig.
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