Kevelaer: Ein Hin und Her zum Abitur
VON ANJA SETTNIK - zuletzt aktualisiert: 31.08.2010Kevelaer (RPO). Immer Neues zum Thema Schule: Nun will die Ministerin für eine Übergangszeit die Gymnasien selbst entscheiden lassen, ob sie ein "Turbo-Abi" wollen oder nicht. Schulleiter äußern sich im RP-Gespräch.
kevelaer / weeze 159 Jungen und Mädchen besuchen die "Einführungsphase" am Gymnasium Kevelaer. Eigentlich würden sie je zur Hälfte die Jahrgangsstufen 10 und 11 besuchen, aber seit "G 8" ist das anders. Organisatorisch sei das unproblematisch, versichert der kommissarische Schulleiter Karl Hagedorn. Die Schüler lernten Deutsch, Mathematik und Englisch im Klassenverband und wählten individuell Fächer dazu. Das Angebot der neuen NRW-Bildungsministerin Sylvia Löhrmann (Grüne), Schulen könnten im kommenden Jahr entscheiden, ob sie in acht oder neun Jahren zum Abitur führen wollen, findet er schwierig. "Dieses Hin und Her macht keinen Sinn. Wir haben die Lehrpläne umgestellt und sollen uns doch mit anderen europäischen Ländern vergleichen können, die ,G 8' längst haben." Zum alten System zurückzukehren halte er nicht für sinnvoll. "Wenn es die Schulkonferenz aber anders will, werden wir es machen."
Alle Länder sind dabei
Erstmals haben sich am städtischen Gymnasium Kevelaer so viele Kinder für die Jahrgangsstufe 5 angemeldet, dass vier (kleine) Klassen gebildet werden konnten. Alle diese Kinder gehen davon aus, dass sie, wenn sie nicht wiederholen müssen, innerhalb von acht Jahren zum Abitur kommen. Der erste Jahrgang von jungen Leuten, die "G 8" durchlaufen haben, wird 2013 mit dem Reifezeugnis belohnt. Alle Bundesländer machen inzwischen bei der Umstellung mit.
Selbst entscheiden
Als "bauernschlau" bezeichnet der Direktor des bischöflichen Gymnasiums Gaesdonck, Hans-Georg Steiffert, das Vorgehen der Sylvia Löhrmann in Bezug auf die künftige Bildungspolitik. Vieles soll den Schulträgern, also den Kommunen, überlassen bleiben, anderes wird als Modellversuch deklariert, um Neuerungen auch ohne Gesetzesbeschluss möglich zu machen. Ob Gymnasien ihre Schüler nach zwölf Jahren zum "Turbo-Abitur" führen oder zur alten neunjährigen Gymnasialzeit zurückkehren, dürfen die Schulen zumindest fürs nächste Jahr selbst entscheiden.
Viele Kevelaerer und Weezer Jugendliche besuchen das katholische Gymnasium in Goch. Dessen Leiter war früher Direktor eines Duisburger Gymnasiums und hat dort bereits einen Zwischenweg ausprobiert. "Wir haben darüber noch keinen Konferenzbeschluss, aber ich weiß, dass viele Kollegen meine Ansicht teilen. Das ,G 8-System ist für die Schulen außerordentlich nachteilig, was Qualität und Organisation anging. Deshalb schlage ich ein Springer-Modell vor, das begabten, engagierten Schülern die Möglichkeit gibt, nach dem ersten Halbjahr von Klasse 10 ins zweite Halbjahr der Stufe 11 zu wechseln. Wer nicht so schnell lernt, kommt nach dem alten System zum Abitur. Wenn die stärksten Schüler weg sind, wird sich im veränderten Klassenverband eine neue Spitze bilden."
In Gaesdonck gebe es im übrigen so viele Angebote, dass es schade wäre, die Zeit an der Schule nicht auszunutzen, um zusätzliche Sprachen oder Wirtschaft zu lernen, zu musizieren oder in der Kunstschule mitzumachen. "Auch ein Auslandsjahr ist eine gute Sache, die sich kaum in eine zwölfjährige Schulzeit integrieren lässt." KOMMENTAR
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum


