Kevelaer: Ein Zeugnis für die Stadt
VON ANJA SETTNIK UND STEFAN GILSBACH - zuletzt aktualisiert: 29.01.2010Kevelaer (RPO). Freitag ist der Tag der Halbjahrszeugnisse in den Schulen des Landes. Auch die RP verteilt Noten, allerdings nicht an Schüler, sondern an die Stadt Kevelaer – von Religion über Mathematik bis hin zu den musischen Fächern.
Wenn heute alle Schüler in NRW mehr oder weniger stolz ihre Zeugnisse entgegennehmen, soll die Stadt Kevelaer nicht leer ausgehen. Deshalb stellt ihr die RP heute auch mal ein Zeugnis aus. Das mag nicht jeder als gerecht empfinden, und manchmal ist es bestimmt subjektiv gefärbt. Aber dafür muss sich die Stadt damit auch nirgends bewerben – aus ihr ist ja schon etwas geworden!
Freundliche Ermahnung
Die Kopfnoten zum Arbeits- und Sozialverhalten sind für Kevelaer wie gemacht: freundliche Ermahnung, sich auf die Hinterbeine zu stellen, den Anschluss nicht zu verpassen und sich auf Augenhöhe mit den Bürgern zu bewegen.
Zeugnisse für NRW
Die Schüler in Nordrhein-Westfalen bekommen heute ihre Halbjahrszeugnisse. Sie können zum Beispiel wichtig sein für den Übergang zur weiterführenden Schule. Nach wie vor umstritten sind die so genannten Kopfnoten, die vor einigen Jahren wieder eingeführt wurden. Sie beurteilen unter anderem das persönliche Verhalten der Schüler.
Ganz leicht ist die Benotung im Bereich Religion: Soviel Kirche und Geistlichkeit wie in Kevelaer bietet wohl kaum eine Stadt. Sowohl für die Menschen, die hier leben, als auch für auswärtige Gäste ist die Marienwallfahrt allgegenwärtig.
Auch bei den Sprachen ist festzustellen, dass das Angebot groß ist. Wer will, kann sich im Plattdeutschen verständigen – dank Pastor Alois van Doornick sogar im kirchlichen Umfeld. Was die Kommunikation zwischen Stadt und Bürgern betrifft, hapert's freilich schon einmal: Grundsatzentscheidungen fallen regelmäßig hinter verschlossenen Türen.
Weil die Kevelaerer ihre Städtepartnerschaft zu Bury St. Edmunds pflegen, darf angenommen werden, dass auch die Bereitschaft, gelegentlich Englisch zu sprechen, vorhanden ist. Niederländisch kommt zwangsläufig hinzu: Die westlichen Nachbarn besuchen die Stadt sehr gerne. "Mathematik" heißt bei der Stadt "Finanzen". Wie es darum steht, ist nur zu eindeutig: mangelhaft. Doch die Stadt trägt nicht allein die Schuld an dieser Misere, deshalb gibt's noch ein "ausreichend."
Musikliebhaber kommen in Kevelaer auf ihre Kosten, vor allem dank der aktiven Kirchen- und Chormusik. Der Kulturverein Impuls bereichert das Angebot mit Pop, Rock und der Kinderkunstschule. Bildung vor Ort bietet kompakt das Schulzentrum. Wer sich weiterbilden möchte, muss freilich meist in die Nachbarstädte fahren. Eine wackere Ausnahme ist das Bildungswerk Winnekendonk.
Sportlern geht's in Kevelaer gut. Wer sich in der Freizeit austoben möchte oder Wettbewerbsambitionen hat, kann sich auf diverse Disziplinen konzentrieren. Neben der Infrastruktur, die die Stadt zur Verfügung stellt, wissen sich die Vereine auch selbst zu helfen und organisieren Vieles in Eigenregie – von Lauftreff bis Schwimmkursen.
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