Weeze: Förster kritisiert Schatzsucher
VON ANJA SETTNIK - zuletzt aktualisiert: 11.11.2011Weeze (RP). Revierförster Wolfgang Siepen sorgt sich um seinen Wald. Denn immer mehr Geocacher beteiligen sich an der modernen Schnitzeljagd im Kalbecker Busch. Es kommt zu Wildunfällen und Schäden an Jungpflanzen.
Spaziergänger im Kalbecker Busch freuen Wolfgang Siepen. Auch gegen Hunde, wenn sie angeleint sind, hat der Förster von Kalbeck nichts. Wenn Mensch und Hund allerdings durchs Unterholz stapfen und sich dabei von einem GPS-Gerät anleiten lassen, wird der Revierförster nervös. "Ich hab' Ihnen hier mal eine Karte aus dem Internet ausgedruckt, die die Verstecke aufzeigt. Sie sehen, es sind schon in einem 500-Meter-Radius rund ums Schloss jede Menge." Vor einiger Zeit habe er selbst ein solches "Cache" gefunden. "Dabei handelte es sich um einen Kosmetikkoffer, in dem zum Beispiel ein batteriebetriebener Totenkopf war. Und natürlich das Heft, in das sich die Finder eintragen." Die nutzen dazu Code-Namen, denn der Informationsaustausch soll innerhalb der Geocaching-Familie bleiben.
Internet plus Natur
Die GPS-Schnitzeljagd namens "Geocaching" ist international bekannt und beliebt. Die Teilnehmer suchen die Verstecke (Caches) mit Hilfe geografischer Koordinaten, die der "Verstecker" im Internet hinterlegt. Da die Koordinaten aber nicht Quadratmeter genau sind, müssen die Spieler vor Ort oft noch intensiv suchen - sehr häufig mitten in der Natur.
"Wenn ich die Leute im Wald antreffe, spreche ich sie gelegentlich an", sagt Siepen. Das Problem: Die elektronisch geleiteten Fährtensucher beunruhigen das Wild und scheuchen es auf. "Viele sind mitten in der Nacht oder im Morgengrauen unterwegs. Dann springen die Rehe auf die Straßen und werden dabei nicht selten überfahren." Hinzu komme, dass die verängstigten Tiere sich kaum mehr aufs freie Feld trauten, sondern lieber im vermeintlich schützenden Wald bleiben. "Dort fressen sie dann die zarten Jungpflanzen kaputt, die wir mühevoll angepflanzt haben."
Die Waldbesitzer am Niederrhein (und ebenso der Staatsforst) sind bemüht, den Wald naturnah wieder aufzuforsten. Wo sich das anbietet, setzen sie kleine Bäume. Nicht nur die Zähne der Rehe gefährden ihr Wachstum: Spaziergänger, die die Wege verlassen, können sie ungewollt leicht zertreten. Waldbesitzer Max von Elverfeldt hat nichts dagegen, wenn Natur liebende Menschen "zum Zwecke der Erholung", wie es das Gesetz gestattet, im Wald umher spazieren. Aber bitte nicht in Gruppen durchs Dickicht.
Plastiktüten, Lumpen, Nussdosen und Schnapsflaschen liegen im Bereich Kalbeck zahlreich im tiefen Laub. Auch eine alte metallene Schublade aus einem Gewürzschränkchen fand die RP beim Rundgang mit dem Förster. Rest eines Caches oder bloß Müll? Neben Reitern, Mountainbikern und Motocrossfahrern müssen sich die Förster inzwischen mit einer weiten Gruppe auseinandersetzen, die ihnen Sorge bereitet.
Jetzt weiterlesen und die Rheinische Post testen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum


