Kevelaer: Große Fische im kleinen Fluss
VON STEFAN GILSBACH - zuletzt aktualisiert: 27.02.2010Kevelaer (RPO). Matthias David angelt seit Jahren an dem kleinen Flüsschen. Von der Fischereigenossenschaft hat er sich einen Abschnitt des Flusses zwischen Geldern und Wetten gesichert.
116 Kilometer lang fließt sie an den Haustüren der Niederrheiner vorbei, doch für viele ist die Niers ein unbekanntes Gewässer. Mancher würde kaum glauben, dass in dem Flüsschen gewaltige Hechte oder Karpfen schwimmen.
Erlaubnisscheine
Matthias David angelt seit Jahren in der Niers. Von der Fischereigenossenschaft hat er sich einen Abschnitt des Flusses zwischen Geldern und Wetten gesichert. "Ich kann für dieses Stück auch Erlaubnisscheine zum Angeln ausstellen", sagt er. Der 42-Jährige ist zudem Fischereiaufseher für den Kreis Kleve. Als solcher achtet er darauf, dass niemand "schwarz" angelt. Fischfrevel kann genauso unter das Strafrecht fallen wie Wildfrevel. Mit einem Wurm am Haken wird man David nie ertappen. Diese Art des Fischens sei ziemlich passé, sagt er. Inzwischen hat er sich aufs Fliegenfischen verlegt, wie man es aus dem Robert-Redford-Film "Aus der Mitte entspringt ein Fluss" kennt. Das typische Schwingen der Angel probt er auf der Wiese hinter seinem Haus in Achterhoek. Mit seinem Angelkollegen Mario Herold hat David – von Beruf EDV-Fachmann – eine umfangreiche Dokumentation zur Niers ins Internet gestellt. Unter www.niersfischer.de gibt es Informationen zum Fluss, zur Tierwelt und zum Angeln in dem Gewässer. Außerdem wird der Lauf von der Quelle bis zur Mündung in Fotos vorgestellt, die viele Helfer zusammengetragen haben. "Wir ,Niersfischer' sind kein Verein", sagt Matthias David. Es sei ein lockerer Zusammenschluss von zehn bis 15 Personen, die sich fürs Angeln interessieren.
Heute ist Stammtisch
Die Niersfischer treffen sich heute Abend zu ihrem Stammtisch. Beginn ist um 17 Uhr in der Gaststätte "Waldschlösschen" zwischen Geldern und Wetten. Gast ist der Geschäftsführer der Fischereigenossenschaft Niers, Herbert Henkel. Mitglieder werden ihre Fliegebindekünste zeigen.
David, der in Dülken aufwuchs, kann sich noch an Zeiten erinnern, als die Niers "eine orangenfarbene, stinkende Brühe" war. Heute hat der Fluss Wasserqualität zwei bis drei – nicht gerade trinkbar, aber auch nicht schlecht. Barsche, Rotaugen, Hechte, Zander fühlen sich wieder wohl. Rund 25 Fischarten sind belegt. Tatsächlich hatte die Niers einmal den Ruf eines Fischparadieses. "Der Niers-Aal war berühmt und wurde als Delikatesse sogar nach Paris geliefert", erzählt David. Wohl fühlen sich in der Niers heute aber auch Einwanderer wie die chinesische Wollhandkrabbe, die sich mangels Fressfeinden übermäßig vermehrt. "Die Wollhandkrabbe hat sich schon bis Straelen vorgearbeitet", sagt David besorgt.
Erfreut stimmt ihn dagegen die Aussicht auf die Renaturierung der Niers. Bald ist "sein" Streckenabschnitt an der Reihe, an dem auch das Herrenhaus te Gesselen liegt. Statt des öden, kanalisierten Flusslaufs, den einst der "Reichsarbeitsdienst" der Niers verpasste, soll sich der Fluss wieder in Schleifen durch die Landschaft winden, begleitet von Altwassern, den idealen Kinderstuben für Fische.
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