Kevelaer: Grundgesetz vor Ort
VON DÉSIRÉE LINDE - zuletzt aktualisiert: 23.05.2009Kevelaer (RPO). Das Grundgesetz wird heute 60 Jahre alt. Dass es auch im Weezer Wald und bei Kevelaerer Wallfahrten angewendet wird, erschließt sich nicht auf den ersten Blick. Dabei sind einige Artikel dort von besonderer Bedeutung.
Wo in Weeze der Wald lebt, da lebt auch das Grundgesetz. Das findet Weezes Bürgermeister Ulrich Francken. Das Recht auf Eigentum und der Zusatz "Eigentum verpflichtet" (Artikel 14) kommt in den Weezer Wäldern immer wieder zum Tragen. Zwei der Besitzer großer Waldflächen im Kreis Kleve leben in Weeze und sorgen dafür, dass die Allgemeinheit dort etwa spazieren gehen kann. "Das funktioniert sehr gut. Obwohl der Wald für die Besitzer oft wohl auch Frust statt Lust ist", sagt Francken.
Eigentum verpflichtet
Ein besonderes Beispiel dafür, wie die Eigentumsrechte und -pflichten wirken, findet sich auch beim Tierpark Weeze. Friedrich Graf zu Eulenburg stellt einen Teil seiner Privatfläche seit Jahrzehnten zur Verfügung. Zum Wohl der Allgemeinheit. "Das ist sicherlich schon mehr, als es das Grundgesetz vorschreibt. Der Graf hat auch in die Renovierung des Schlosses sicherlich mehr Geld gesteckt, als er sobald wieder herausbekommt", sagt Heinz Hönnekes vom Förderverein des Tierparks. "Jeder soll ja Vorteil vom Grundgesetz haben." So ziehe der Tierpark Besucher an, was auch dem Schloss zugute käme.
Der Ursprung
Am 1. September 1948 traten in Bonn 65 Frauen und Männer zum "Parlamentarischen Rat" unter Vorsitz von Bundeskanzler Konrad Adenauer zusammen. Sie werden zu den Müttern und Vätern des Grundgesetzes.
Das Grundgesetz wurde am 23. Mai 1949 unterzeichnet und trat um 24 Uhr in Kraft.
Das Gesetz auf freie Meinungsäußerung (Artikel 5) sieht Bürgermeister Francken auch ganz aktuell umgesetzt: Nämlich durch die Unterschriften-Aktion von Weezer Bürgern für den Airport. "Da hat sich eine große Zahl von Menschen dazu bekannt: ,Wir wollen den Flughafen'", sagt Francken.
Grundrecht auf Leben
Das Recht auf Leben (Artikel 2, Absatz2) kommt Stefan Zekorn, Pfarrer in St. Marien Kevelaer, derzeit immer wieder in den Sinn. Denn immer mehr Niederländer ziehen über die Grenze nach Kevelaer. Denn in den Niederlanden gelten laxere Euthanasie-Gesetze. "Die Menschen wollen ihr Recht auf Leben, um das sie dort offenbar fürchten", sagt der Pfarrer.
Doch nicht nur das Grundrecht auf Leben sieht der Pfarrer noch intakt, er erinnert auch an Zeiten staatlicher Repression, etwa durch die Nationazsozialisten: "Dass wir unseren Glauben frei ausüben und auf Wallfahrt gehen können ist nicht selbstverständlich."
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