Kevelaer: Idylle nur für Angler
VON STEFAN GILSBACH - zuletzt aktualisiert: 20.10.2009Kevelaer (RPO). Mit der Aussicht eines seenreichen Erholungsgebietes wurden Anwohnern die Abgrabungen nahe Weeze und Kervenheim versüßt. Doch die meisten dürfen die neuen Gewässerzonen noch nicht betreten.
Bürgerproteste
Die Abgrabungen am Niederrhein stoßen seit Jahren auf Proteste der Bevölkerung.
Kritisiert wird unter anderem, dass niederländische Firmen, die im eigenen Land nur unter sehr restriktiven Bedingungen Kies fördern dürfen, die weniger strenge Rechtsprechung in Nordrhein-Westfalen ausnutzen.
Stephan Krüger ist privilegiert. Der Gewässerwart des Angelsportvereins Weeze darf das Gelände der Abgrabung Steinbergen bei Weeze betreten, um dort seinem Hobby zu frönen. "Wir haben das Gelände zum Angeln gepachtet", sagt Krüger. Offiziell ist Steinbergen aber noch Werksgelände der Kieswerke Boll. Das heißt, spazierengehen, den Hund ausführen oder Zelten ist verboten. Gepachtet haben Krüger und seine Mitstreiter übrigens nicht vom Kieswerk, sondern den Besitzern, der Familie van Elverfeldt.
Erholungsgebiet versprochen
Sigrid Ehrentraut, ehemalige Kervenheimer Ortsvorsteherin, fragt sich seit Jahren, wann die Allgemeinheit von der Buddelei der vergangenen Jahrzehnte profitieren wird. "Es wurde uns von der Verwaltung erklärt, hier würde ein Erholungsgebiet für die Menschen entstehen", erinnert sich die scheidende SPD-Fraktionschefin, die stets die Auskiesungen abgelehnt hatte. "Wo ist der gesellschaftliche Mehrwert?", fragt sie heute.
"Tatsache ist, dass die Abgrabungen in diesem Bereich noch nicht abgeschlossen sind, auch wenn kein Bagger mehr zu sehen ist", sagt Kreis-Sprecher Eduard Großkämper. Für die Entwicklung der Flora und Fauna gebe es vorgeschriebene Ruhezeiten.
Das bestätigt auch Stephan Krüger. "Drei Jahre dauert nach nordrhein-westfälischem Gesetz die Ruhephase." In dieser Zeit sollen sich Bewuchs und Tierwelt regenerieren. Doch wie kommen die Fische in den neuen Teich? "Zum Beispiel durch Wasservögel. An ihren Füßen haftet klebriger Fischlaich, sie verbreiten ihn von Gewässer zu Gewässer", erklärt Krüger, der auch Mitglied des Naturschutzbundes Nabu ist.
Doch wie lange müssen die Bürger warten, bis sie ihre Niederrheinische Seenplatte eines Tages betreten dürfen? Die Laufzeiten sind unterschiedlich. Steinbergen werde sieben Jahre Abgrabungsgelände sein, heißt es bei den Kieswerken Boll in Weeze. Was die Auskiesung Grotendonk in Weeze betrifft, seien noch mehr Abschnitte zum Auskiesen geplant, erklärt Kervenheims Ortsvorsteher Ernst Umbach (UWU). Mit einem Ende ist also in absehbarer Zeit nicht zu rechnen. Umbach hat für die Absperrungen Verständnis. "Wenn da etwas passiert, sind Sie als Betreiber dran."
Unbekannte Eindringlinge
Einige Bürger wollen so lange nicht warten. Immer wieder dringen Unbekannte in die abgesperrten Zonen ein, um zu schwimmen oder zu zelten. "Manche hinterlassen Müll, klettern auf die Fördertürme oder beschädigen Maschinen." Aus diesem Grund lassen die Kieswerke den Angelverein gern aufs Gelände. "Die sind froh, wenn hier jemand aufpasst."
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