Kevelaer: Jung oder Alt ist kein Thema
VON ANJA SETTNIK - zuletzt aktualisiert: 27.12.2008Kevelaer (RPO). Bei Jomo-Großhandel in Weeze werden ältere Mitarbeiter besonders geschätzt. Einige wurden erst als „Ü 50“ eingestellt. Dafür gibt’s nun sogar eine Auszeichnung vom Bundesarbeitsminister.
Sie wissen, wo im Trocken- oder Tiefkühllager der richtige Platz für jeden der 12000 gehandelten Artikel ist, sie kennen die 600 ständigen Lieferanten, und sie haben genügend Lebenserfahrung, um auch mit „schwierigen“ Kunden zurecht zu kommen. Die Weezer Firma Jomo beschäftigt unter ihren 770 Mitarbeitern 140 über 50-Jährige. Dafür wurde das Unternehmen in München von Bundesarbeitsminister Olaf Scholz ausgezeichnet.
Jomo Großhandel ist Regionalsieger der Initiative „Unternehmen mit Weitblick“: Die Geschäftsführung handelt nach der Philosophie des Gründers Josef Moll, die selben Grundsätze wichtig waren wie heute seinem Großneffen Christian Moll und den beiden anderen Geschäftsführern. „Wir verstehen Führung als Förderung und bauen auf die soziale und fachliche Kompetenz eines jeden Mitarbeiters“, heißt es im Leitbild.
730 Vollzeitkräfte
730 der 770 Mitarbeiter von Jomo sind Vollzeitkräfte, rund 500 sind in Weeze beschäftigt. Etwa 30 Auszubildende lernen Groß- und Einzelhandelskaufmann, Fachlagerist und Koch. Einige absolvieren eine duale Ausbildung mit Fachhochschulstudium. Ab nächstem Jahr kann man bei der Firma Jomo auch Berufskraftfahrer und Fach-Informatiker lernen.
Auf 30.000 Quadratmetern
Dabei sind es keine leichten Jobs, die die Jomo-Leute haben: Am Holtumsweg in Weeze müssen sie sich auf 30 000 Quadratmeter Lagerfläche auskennen, die Fahrer sind in 130 Lastwagen vom Dreiachser bis zum schweren Sattelzug mit Drei-Kammer-Kühlsystem unterwegs. Deutschlandweit: Der Großteil beliefert Gastronomie, Krankenhäuser, soziale Einrichtungen und Kantinen von Weeze aus, die zweite Jomo-Niederlassung im hessischen Wöllstein bedient die Kunden im Südwesten der Republik. Die Zusammenarbeit mit den älteren Mitarbeitern funktioniert so gut, dass im vergangenen Jahr zehn weitere Leute „Ü 50“ eingestellt wurden.
Walter Meesters, wie Hans Gerd Janssen Mitglied der Geschäftsführung, gibt zu bedenken, dass er selbst auch zur „Ü 50“-Gruppe gehöre – er ist seit 40 Jahren in der Firma. Meesters begann als Lehrling und ist heute einer der Chefs. „Klar, dass man nach so vielen Jahren eine enge Bindung ans Haus hat“, sagt er und bezieht das auch auf die anderen langjährigen Mitarbeiter. Christian Moll erklärt, er lege großen Wert darauf, auch bei dieser Größenordnung ein Familienunternehmen sein.
Der persönliche Kontakt und die gute Atmosphäre gehörten dazu. Meesters ergänzt: „Wichtig ist für uns die Dienstleistungseinstellung. Ob da jemand jung oder älter ist, ist kein Thema.“ Zum Beispiel: Der erfahrene Mitarbeiter guckt sich die Kommissionsbehälter an und packt ihn richtig. „Der junge ist schneller, aber muss, weil‘s nicht richtig war, noch mal umräumen.“
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum


