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Kevelaer: Kevelaer sucht eine zweite Schiedsperson

zuletzt aktualisiert: 21.08.2010

Kevelaer (RPO). Angefangen hatte alles in Wiesbaden, ihrer Heimatstadt. "Ich wollte immer Jura studieren und Staatsanwältin werden", erzählt Liesel Borman. In der Zeitung las sie 1995 die Meldung, dass eine Schiedsamtsstelle frei würde. Sie bewarb sich, wurde gewählt und arbeitete acht Jahre lang ehrenamtlich als Schiedsfrau. 2004 zog es sie aus familiären Gründen nach Kevelaer. Und wieder gab es den freien Posten.

Liesel Bormann ist Schiedsfrau in der Marienstadt.   Foto: RPO
Liesel Bormann ist Schiedsfrau in der Marienstadt. Foto: RPO

Seitdem ist Liesel Borman Schiedsfrau in der Marienstadt, zuständig für den Bezirk West (Twisteden und den westlichen Teil der Innenstadt). Insgesamt 68 Verfahren hat sie bisher geführt. Die Erfolgsquote liegt zwischen 50 und 70 Prozent. 80 Prozent ihrer Fälle sind Nachbarschaftsstreitigkeiten, die restlichen 20 entfallen auf Strafrechtsfälle wie leichte Körperverletzung oder Beleidigungen. In einem Schiedsverfahren geht es nicht darum, dass eine der beiden Parteien Recht bekommt, wie vor Gericht, sondern dass man gemeinsam zu einem Kompromiss findet.

"Am liebsten führe ich das Schiedsverfahren vor Ort durch", erzählt sie. "Die Leute streiten sich im Sommer am meisten", sagt die 68-Jährige. Es geht dann um überhängende Äste oder eine Missachtung der Grundstücksgrenze. "Es gibt immer wieder Leute, die an keinem Kompromiss interessiert sind", berichtet Borman. Denen stellt sie lediglich eine "Erfolglosigkeitsbescheinigung" aus. Die Konfliktparteien sehen sich dann als nächstes vor Gericht.

Günstiger als vor Gericht

Liesel Borman findet es schade, dass nicht mehr Leute ein Schiedsverfahren anstreben. "Es ist deutlich günstiger als ein Gerichtsverfahren." Mit 40 bis 50 Euro muss man rechnen, die aber in der Regel geteilt werden. Was am Ende im Protokoll als gemeinsame Entscheidung festgehalten wird, ist für die nächsten 30 Jahre rechtskräftig. Oft geht es aber gar nicht darum. "Es hilft manchmal schon, wenn ein Dritter dazu kommt und sich eine Sache mit gesundem Menschenverstand ansieht", so Borman.

Kevelaers zweite Schiedsperson ist vor kurzem umgezogen, daher sucht die Stadt nach neuen Bewerbern. Was braucht man für den Ehrenamts-Job? Liesel Borman zögert kurz. "Einen klaren Kopf, und man sollte zuhören können", meint sie. Hinzu komme, dass man ein gewisses Maß an Zeit investieren müsse – für die Lehrgänge, die jede Schiedsperson absolviert haben muss.

Info Für den Schiedsamtsbezirk Kevelaer-Ost wird eine Schiedsperson gesucht. Interessenten können sich bis zum 10. September bei der Stadtverwaltung melden. Infos unter Tel. 02832 122404

Quelle: RP

 
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