Kevelaer: Kevelaers Berlinale-Auftritt
VON TOBIAS DUPKE - zuletzt aktualisiert: 16.02.2008Kevelaer (RPO). Mit dem Film „Die Dinge zwischen uns“ hat es Iris Janssen auf die Berlinale geschafft. Die Abschlussarbeit ihres Studiums am der Filmhochschule Köln spielt in Kevelaer. Heute Abend feiert sie Premiere in der Hauptstadt.
Kevelaer/Berlin Wenn heute Abend der Projektor anläuft, dort in Berlin, dann kann sich Iris Janssen zurücklehnen. Ihre Eltern sind extra mit dem Wohnmobil aus Kevelaer in die Hauptstadt gereist, um auf den gerade einmal viermonatigen Enkel aufzupassen, damit die Mama im Kinosaal die Premiere ihres eigenen Films verfolgen kann. „Die Dinge zwischen uns“ heißt er, spielt in Kevelaer und wird auf der Berlinale gezeigt. Der 90-Minüter ist erst vor einer Woche fertig geworden.
Die Handlung ist frei erfunden. So viel schon einmal vorweg. Und Bürgermeister Stibi stand nicht Modell für den Bürgermeister aus dem Film. Der Politiker auf Celloloid ist jung, aufstrebend und heißt Bernd. Mit seiner Frau Myriam, aufgewachsen in Kevelaer, bezieht er das neue Haus in der niederrheinischen Idylle. Für Myriam scheint alles perfekt. Bis zu dem Zeitpunkt, als sie erfährt, dass Bürgermeister Bernd regelmäßig ins benachbarte Holland in ein Bordell fährt. Myriam verzweifelt, weil sie mit niemandem darüber reden kann. Sie versucht die Gefühlswelt ihres Mannes zu verstehen. Sie beginnt heimlich in einem Bordell zu arbeiten und entdeckt auf diese Weise ihre eigene Sexualität.
Zur Person
Iris Janssen hat an der Filmhochschule Köln studiert. Die Regisseurin und Drehbuchautorin ist in Kevelaer geboren, hat am Kardinal-von-Galen-Gymnasium ihr Abitur gemacht. Die 30-Jährige ist seit 2007 verheiratet. Als nächstes möchte sie eine Dokumentation drehen.
Iris Janssen ist glücklich über das Ergebnis ihrer Arbeit. „Es ist schwierig, überhaupt einen so langen Film mit einem so geringen Budget zu drehen“, erklärt die Jung-Regisseurin. Die Frage nach dem Ort der Handlung war auch schnell klar: In Kevelaer kennt sich Janssen aus. Unbürokratische Hilfe von der Kevelaerer Verwaltung, der heimischen Vereine und der Kirche halfen der aufstrebenden Nachwuchsfilmerin beim Erreichen ihres Ziels. Janssen: „Die Menschen in Kevelaer sind außerdem nicht so ermüdet von ständigen Drehs – in Köln ist das anders.“
Im Juni drehte das Team um Janssen in der Marienstadt. Freunde stellten das Haus zur Verfügung, in dem Bürgermeister Bernd mit seiner Frau Myriam wohnt. „Bürgermeister Stibi hatte nichts dagegen, dass wir in seinem Büro drehten“, so Janssen. Mit ihm führte die Regisseurin wegen des heiklen Themas im Vorfeld auch einige Gespräche. Um Missverständnisse auszuschließen. „Er hat sich aber offen und locker gezeigt“, berichtet die junge Mutter. Für die Bordellszenen haben die Filmleute Kevelaer verlassen und sind nach Düsseldorf in den V.I.P.-Club gefahren.
Die Idee zum Film spukte Janssen schon länger im Kopf herum. Ihre Großeltern lebten nämlich früher in den Niederlanden. Wenn sich die Familie auf zu Oma und Opa machte, fuhr sie auf dem Rijksweg an holländischen Bordellen vorbei. Dieses Bild hat sich eingeprägt.
Nach der Premiere heute Abend in Berlin soll der Film auch in Köln oder Kevelaer gezeigt werden. „In Kevelaer ist das relativ schwierig, da es kein Kino gibt. Wahrscheinlich läuft es auf Köln hinaus“, sagt Janssen. Eingeladen werden sollen dann auch viele Mitwirkenden aus der Marienstadt.
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